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Schulden zu machen, birgt Gefahren. Wer zum Beispiel ein neues Auto auf Kredit kauft und es gleich zu Schrott fährt, muss zwar den Kredit weiter abbezahlen, hat aber nichts mehr davon. Und wenn er krank oder arbeitslos wird und den Kredit nicht mehr bedienen kann, kommt der Gerichtsvollzieher. So funktioniert es beim privaten Verbraucher, so funktioniert es auch in einem Betrieb. Wenn sich die Unternehmensführung verspekuliert und auf Produkte setzt, die am Markt nicht ankommen, droht die Pleite. Diese Logik wird gern auch auf den Staat übertragen – wenn der Schulden macht, um die Wirtschaft anzukurbeln, dann laufen die öffentlichen Haushalte aus dem Ruder, also muss an anderer Stelle gespart werden.
Nur: der Staat ist kein privater Haushalt und auch kein Unternehmen. Wenn der Staat Geld ausgibt, dann kurbelt er damit die Wirtschaft an, er schafft Nachfrage, die wiederum für weitere Nachfrage sorgt. Unter Wissenschaftlern ist zwar umstritten, wie groß der Effekt ist, aber nicht, dass es ihn gibt; die Schätzungen liegen zwischen einer Vervielfachung um das 1,7 bis 2,5 fache. Das heißt: jeder Euro, den der Staat in die Hand nimmt, sorgt für ein Wachstum des Volkseinkommens. Vorausgesetzt, er wird an anderer Stelle nicht abgezwackt.
Mindestens ebenso wichtig wie die ökonomische Wirkung ist dabei aber auch die psychologische. Allein dass überhaupt etwas passiert, signalisiert Unternehmern und Verbrauchern, dass sie Hoffnung auf eine Konjunkturbelebung haben können. So gesehen, ist die Verschuldung des Staates eines seiner wichtigsten wirtschaftspolitischen Instrumente. Das allerdings zu Lasten der künftigen Generationen eingesetzt werde, so lautet ein beliebtes Gegenargument. Aber die Kinder erben nicht nur die Schulden, sondern auch das Vermögen. Und das wird durch die öffentlichen Investitionen ja gerade vermehrt. Der Chefvolkswirt der Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen Heiner Flassbeck schätzt, dass die öffentlichen Schulden in Deutschland weniger als 10 % seines wirtschaftlich genutzten Kapitalstocks ausmachen, den er auf 12 Bio € schätzt. Ein gewaltiges Erbe, das den nachfolgenden Generationen sicher genug Spielraum für eigenes Handeln lässt.
Autor/in:
Ulla Foemer
Stichwort Wirtschaft: Staatsschulden (ein Beitrag von Ulla Foemer)






