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Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ
Stichwort Wirtschaft
Der orangefarben schimmernde, runde Hochhausturm in der Baseler Innenstadt, gleich neben dem Hauptbahnhof gelegen, wirkt abweisend. Damit folgt die Form durchaus der zugedachten Funktion. Denn am Sitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, kurz: BIZ, wird Diskretion groß geschrieben. Publikumsverkehr gibt es nicht, auch eine Konto kann dort niemand eröffnen. Alle zwei Monate treffen sich dort die wichtigsten Notenbankchefs der Welt. Sie diskutieren in abhörsicheren Sitzungssälen. Und was dort geredet wird, bleibt geheim, öffentlich zugängliche Sitzungsprotokolle gibt es nicht. Den verschwiegensten Männerclub der Welt hat das Magazin „Der Spiegel“ einmal die regelmäßig in der BIZ zusammentretende Runde genannt.
In der Tat: Die Wort genau zu wägen, ist die oberste Pflicht von Notenbankern. Die staatlich bestellten Währungshüter steuern die Geldmenge in ihren Ländern, in dem sie die Banken mit Krediten versorgen. Damit sind sie die Herren über Zinsen und Preise. Von ihren Entscheidungen hängt auch die Entwicklung bestimmter Geldanlagen ab und weil das so ist, werden alle ihre Äußerungen auf die Goldwaage gelegt. Auf Pressekonferenzen registrieren Journalisten selbst kleinste Regungen der Augenbrauen der vortragenden Notenbank-Vorstände, um daraus Hinweise für die künftige Entwicklung der Leitzinsen zu ziehen. Notenbanker wissen das und sind deshalb in der Öffentlichkeit immer sehr zurückhaltend.
Die BIZ ist die Dachorganisation der 50 wichtigsten Zentralbanken der Welt. Deshalb wird sie auch als Zentralbank der Zentralbanken bezeichnet. Einen Teil ihrer Währungsreserven und Goldbestände lagern die Zentralbanken bei der BIZ. Wenn es sein muss, vergibt die BIZ auch Kredite an andere Zentralbanken oder an Staate, die in Not geraten sind. Besonders wichtig ist ihre Steuerungsfunktion. Bei ihren Treffen koordinieren die Zentralbankchefs ihr weiteres Vorgehen bei der Geldpolitik – sollen die Zinsen angehoben oder gesenkt werden und welche Auswirkungen hat das auf die Zinsen in anderen Ländern? Diese Fragen werden in der BIZ diskutiert. Besondere Reputation genießen die Forschungsabteilungen der BIZ.
Die Notenbankchefs brauchen natürlich Daten, Fakten und Einschätzungen, mit denen sie ihre Entscheidungen unterfüttern können. Und dafür gibt es einen großen Mitarbeiterstab. Eine ihrer Einschätzungen lautete schon im Sommer 2007: Es droht eine internationale Finanzkrise. Damit waren die Experten der BIZ unter den ersten, die vor dem Bankenkollaps gewarnt haben. Allerdings: gefolgt ist daraus wenig. Denn eigene Entscheidungen trifft die BIZ nicht; handeln müssen die jeweiligen Notenbankchefs und die hatten die Gefahr damals offenbar noch nicht als so groß eingeschätzt.
Seit dem Ausbruch der Finanzkrise spielt das Thema Regulierung des Bankensektors eine größere Rolle in der Arbeit der BIZ. Der Titel des letzten Jahresreportes lautete: „Wie konnte es dazu kommen?“. Darin zeigen die BIZ-Experten die Gründe für die Finanzkrise auf und sie machen Vorschläge, wie ähnliche Krisen in Zukunft verhindert werden könnten. Das Gremium innerhalb der BIZ, in dem Fragen der Bankenregulierung besprochen werden, ist der sogenannte Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht. In den meisten Ländern sind die Notenbanken neben der Geldpolitik auch gleichzeitig für die Regulierung des Bankensektors zuständig. Im Baseler Ausschuss stimmen sie ihr Vorgehen ab – eine Aufgabe, der die Regierungen der Industrie- und Schwellenländer seit der Bankenkrise einen größeren Stellenwert zugemessen haben.
Autor/in:
Wolfgang Otto
Stichwort Wirtschaft: Bank für internationalen Zahlungsaustausch - Ein Beitrag von Wolfgang Otto








