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Ohne den Dollar läuft nicht viel in der Weltwirtschaft. Öl, Gold, Rohstoffe aller Art, ja sogar Flugzeuge werden in amerikanischer Währung gehandelt. Egal, wo Käufer oder Verkäufer zu Hause sind. Und auch die Notenbanken auf der ganzen Welt setzen in erster Linie auf den Greenback – wie die Amerikaner ihre Währung gerne nennen – wenn es darum geht, ihre Reserven in Devisen anzulegen. Genau das ist die Definition einer Leitwährung: Die nämlich, die international die größte Bedeutung hat. Der Dollar ist überall – und das heißt, dass er auch nicht von heute auf morgen einfach ersetzt werden kann. Das beweist schon ein Blick in die Geschichte.
Im 19. Jahrhundert war das britische Pfund unangefochten die wichtigste Währung der Welt. Es hat mehr als 30 Jahre gebraucht, zwei Weltkriege und die große Depression dazwischen, bis die amerikanische Konkurrenz das Pfund endgültig verdrängt hatte. Zwar gibt eine ganze Reihe bekannter Ökonomen die heute der einseitigen Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Dollar die Schuld an den vielen Krisen der vergangenen Jahre:
Weil so viele Länder praktisch unbegrenzt Dollar aufgekauft haben, konnten die USA über Jahrzehnte in großem Stil auf Pump leben, Blasen mit völlig überteuerten Produkten und Anlagen finanzieren und – wenn die unweigerlich geplatzt sind – alle anderen mit in die Rezession reißen. Aber eine praktikable Alternative zur gegenwärtigen Weltwährungsordnung hat bisher niemand entwickelt.
Die Forderungen nach einer anderen Leitwährung, wie sie China, Brasilien Russland und jetzt auch Frankreich erhoben haben, sind schnell ausgesprochen, aber nur schwer umzusetzen. Schließlich haben diese Länder mit ihrer eigenen Geldpolitik dazu beigetragen, den Dollar an der Spitze zu halten. China beispielsweise hält Devisenreserven im Wert von rund zwei Billionen Dollar, den Löwenanteil davon in amerikanischer Währung. Wollte Peking die jetzt alle auf einmal abstoßen und durch eine andere Währung wie etwa den Euro oder durch einen Währungskorb wie die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds ersetzen, würde der Dollarkurs ins Bodenlose stürzen und die chinesischen Reserven entwerten. Geldpolitischer Selbstmord also. Und das heißt, dass der Dollar der Welt als Leitwährung noch mindestens ein paar Jahrzehnte erhalten bleiben wird.
Autor/in:
Linda Staude
Stichwort Wirtschaft: Leitwährung (ein Beitrag von Linda Staude)







