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Wer seine Tante aus Spanien zur Geburtstagfeier nach Deutschland einladen will, kann das heutzutage ganz einfach per E-Mail erledigen. Das war nicht immer so einfach. Früher gab es kein Internet – und selbst der Postmann klingelte nicht an jeder Haustür. Das größte Problem waren damals die Landesgrenzen: Ein Brief nach Spanien muss schließlich über französischen Boden transportiert werden. Doch es gab nur bilaterale Postabkommen. Das bedeutete: Briefmarken, Porto und Transportregeln galten höchstens zwischen zwei Ländern. Die Tante aus Spanien musste deshalb mitunter Monate auf die Einladung aus Deutschland warten.
Das ändert der Weltpostverein. Der Chef der Deutschen Reichspost Heinrich von Stephan lädt im Jahr 1874 22 Nationen nach Bern ein und schließt einen Vertrag ab: Ab sofort gilt unter den Mitgliedern ein einheitliches Postgebiet mit allgemeingültigem Porto, Standardbriefgrößen und Transitfreiheit. 350 Millionen Menschen werden so auf einen Schlag postalisch vereinigt, Kontinente rücken zusammen. Im Gründungsvertrag wird festgehalten:
Die Bestimmungen dieses Vertrages erstrecken sich auf Briefe, Postkarten, Bücher, Zeitungen und andere Drucksachen, sowie auf Warenproben und Geschäftspapiere, welche aus einem der Vereinsländer herrühren und nach einem anderen bestimmt sind. (…) Als einfache Sendung gilt jede Sendung, deren Gewicht 50 Gramm nicht übersteigt.
Seitdem geht die Post ab: Schnell verzehnfacht sich die Anzahl der Briefträger im Deutschen Reich. Auch der letzte Winkel des Landes und die damaligen Kolonien werden für den Briefverkehr erschlossen. Immer mehr Staaten treten dem Weltpostverein bei. Und der beschließt weitere Regeln: Zum Beispiel Einheits-Preise für Pakete und wertvolle Briefe. Der Verein führt auch internationale Standards wie die Rücksendung von unzustellbaren Lieferungen und neue Zahlungsmethoden ein. Zudem bekommt jedes Land eine internationale Abkürzung: Für Deutschland gilt der Großbuchstabe „D“. Noch heute treffen sich die Mitglieder des Weltpostvereins alle vier bis fünf Jahre. 191 verschiedene Länder sind inzwischen dabei. Zuletzt kam vor drei Jahren Montenegro aus dem früheren Jugoslawien hinzu.
Die Weltpostsprache ist bis heute nicht Englisch sondern Französisch. Seinen Hauptsitz hat der Verein noch immer in Bern in der Weltpoststraße. In Zukunft will er den Postverkehr auch im Internet weiterentwickeln. Verschickte Briefe und Pakete sollen mit moderner Technik genauer verfolgt werden können. Auch eine digitale Briefmarke für alle Länder ist geplant. Damit soll es auch im 21. Jahrhundert attraktiv bleiben, die Tante aus Spanien per Post einzuladen.
Autor/in:
Marc Steinhäuser
Stichwort Wirtschaft: Weltpostverein (ein Beitrag von Marc Steinhäuser)






