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Ziffern und Schriftzug "Profit" (Rechte: WDR / picture alliance)
Sendung vom 09.06.2009, 18:05 bis 18:30 Uhr
Bild: Ausschnitt eines Insolvenzbeschlusses; Rechte: dpa

 Chance auf Neustart

Planinsolvenz

Stichwort Wirtschaft

Sinn-Leffers hat sie bereits hinter sich, die Drogeriekette Ihr Platz auch, genau wie der Anlagenbauer Babcock, Papierhersteller Herlitz oder die Hähnchenbraterei Wienerwald: Die Insolvenz, die nicht das Aus bedeutet, sondern einen Neuanfang, den sich jetzt auch die Karstadt-Mutter Arcandor erhofft. Möglich ist das seit zehn Jahren, als Deutschland sein Insolvenzrecht reformiert hat.

Nach amerikanischem Vorbild geht es seither nicht mehr darum, den Pleitekandidaten zu zerschlagen und für die Gläubiger in Einzelteilen möglichst teuer zu verkaufen. Stattdessen wird der Insolvenzverwalter zum Sanierer: Er erstellt einen Rettungsplan und versucht, Unternehmen und Arbeitsplätze zu erhalten. Bei Arcandor soll der Kölner Jurist Klaus Hubert Görg diesen Job übernehmen. Das Konzept hat – wenn es denn funktioniert - Vorteile für alle Beteiligten: Die Gläubiger bekommen bei einer Planinsolvenz im Durchschnitt nach einigen Monaten 20 Prozent ihres Geldes zurück. Bei einer traditionellen Pleite können sie gerade einmal mit einem Zehntel dieser Summe rechnen – und das oft erst nach Jahren. Bei dem angeschlagenen Konzern läuft erst einmal alles weiter wie bisher: Die Geschäfte bleiben offen und er kann darauf hoffen, dass er am Ende überlebt und ohne alte Schulden relativ bald wieder schwarze Zahlen schreibt.

Und auch für die rund 43.000 betroffenen Beschäftigten bei Arcandor sind die Aussichten nicht ganz so düster: Den Verwaltern ist es in der Vergangenheit gelungen, bei Planinsolvenzverfahren im Schnitt fast zwei von drei Arbeitsplätzen zu erhalten. Leicht wird das nicht werden, kämpft die Karstadt-Mutter, zu der auch das Versandhaus Quelle gehört, bereits seit fünf Jahren gegen die drohende Pleite.

Aber in der Insolvenz gelten besondere Regeln: So übernimmt die Bundesagentur für Arbeit drei Monate lang die Zahlung von Löhnen und Gehältern und entlastet damit die Bilanzen. Außerdem darf der Insolvenzverwalter alle Verträge mit Dreimonatsfrist kündigen, egal wie lang die Laufzeit ursprünglich mal war. Das gilt sowohl für Arbeits- als auch für teure Mietverträge, die speziell Karstadt schwer belastet haben. Die Vermieter haben sich denn auch bereits heute verhandlungsbereit gezeigt und Mieterleichterungen von 100 Millionen Euro angeboten. Und auch der Verkauf von Unternehmensteilen zur Geldbeschaffung ist eine Option. Der Metro-Konzern will nach wie vor 60 der gut 80 kriselnden Karstadthäuser übernehmen, und für die gewinnträchtige Reisetochter Thomas Cook gibt es ebenfalls Interessenten. Einen Vorteil hat Arcandor allerdings bereits verspielt mit dem wochenlangen Poker um Bundesmittel und Zuschüsse von den Eigentümern wie Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz: Insolvenzverwalter sind um so erfolgreicher, je früher sie zu Hilfe gerufen werden. Arcandor dagegen ist so spät dran, dass die Staatsanwaltschaft jetzt gegen Konzernchef Eick ermittelt – wegen Insolvenzverschleppung.    

Autor/in:

Linda Staude

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Stichwort Wirtschaft: Planinsolvenz (ein Beitrag von Linda Staude)

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