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Die Einkommenssteuer hat ein besonderes Strickmuster: sie ist progressiv gestaltet. Progressiv heißt: Wer mehr verdient, muss einen höheren Prozentsatz seines Einkommens beim Staat abliefern, als jemand der weniger verdient.
Ein Vergleich zeigt, was das konkret bedeutet: Zwei Angestellte, einer verdient 1000 Euro im Monat, der andere doppelt so viel, also 2000 Euro. Das besondere an einer progressiven Einkommenssteuer ist, dass für beide ein unterschiedlicher Steuersatz gilt. Wer 1000 Euro verdient muss zum Beispiel 10 Prozent Steuern zahlen, also 100 Euro abgeben. Wer 2000 Euro verdient, muss dagegen 20 Prozent Steuern zahlen, also 400 Euro. Der Doppelverdiener zahlt also nicht nur doppelt so viele Steuern, sondern mehr. Die Steuerlast wächst überproportional je höher das Einkommen ist. Dieser Effekt ist durchaus gewollt. Es wird als gerecht empfunden, dass die Reicheren einen größeren Teil ihres Einkommens an den Staat abtreten müssen als Ärmere.
Die Progression wird zum Problem, wenn gleichzeitig die Preise steigen. Dann nagt nicht nur die steigende Steuerlast an der Lohnerhöhung, sondern auch die Inflation. Im Extremfall kann man sich nach der Lohnerhöhung weniger für sein Gehalt kaufen als vorher – Progression plus Inflation haben den Steuerzahler „kalt“ erwischt. Beispiel: Wenn das Gehalt um 2 Prozent steigt und die Preise um 3 Prozent, dann hat man unter dem Strich weniger, die Kaufkraft sinkt. Trotzdem langt das Finanzamt aber kräftiger zu, weil das zwei-prozentige Lohnplus zu einem höheren Steuersatz führt.
Besonders die unteren und mittleren Einkommensbezieher sind von der „kalten“ Progression betroffen, denn in den unteren und mittleren Bereichen werden Lohnerhöhungen besonders stark besteuert. Deshalb wird seit Jahren immer wieder von verschiedenen Seiten gefordert, die Progression abzumildern.
Autor/in:
Wolfgang Otto







