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Die Deutsche Binnenschifffahrt ist eine vergleichsweise kleine Branche – allerdings mit riesigen Maschinen: Die größte ist das sogenannte große Rheinschiff: 110 m lang, fast 12 Meter breit, Ladekapazität gut 3000 Tonnen. Ein solches Schiff – wirbt der Branchenverband – ersetzt 150 LKW. Noch mehr transportiert werden kann nur gestückelt mit Schubbooten: An einen solchen Schuber – praktisch eine reine Antriebseinheit – dürfen auf dem Rhein bis zu sechs Leichter oder Schuten a 2800 Tonnen gekoppelt werden – macht zusammen etwa 16.000 Tonnen gleich 800 LKW-Ladungen. Die deutsche Binnenschifffahrtsflotte ist – nach der niederländischen – die zweitgrößte in Europa: Motorgüterschiffe, Tankmotorschiffe, Schubleichter, Schleppkähne – zusammen rund 1300 Einheiten. Plus rund 500 Bunkerboote, Schubschiffe und Schlepper. Neu sind sie allerdings nur selten. Tankschiffe haben im Durchschnitt rund 30 Jahre auf dem Buckel; Trockengutschiffe sind meist 55 Jahre alt. Sie transportieren Kohle und Erze, Agrargüter, Sand, Kies, Stahl, Schrott, Erdöl und Erdölprodukte und Gefahrgüter – als Stückgut, in Tanks und in Containern. Und sie transportieren relativ sicher: Der letzte große Unfall liegt jetzt schon 11 Jahre zurück. Damals starben beim Verladen gefährlicher Flüssigkeiten an der Tankerbrücke der damaligen Bayer Erdölchemie in Dormagen drei Menschen bei einer Explosion. Wichtigste Wasserstraße in Deutschland ist der Rhein. Aber auch Main, Mosel, Neckar, Donau, Weser, Elbe, Oder und Havel werden befahren. Verbunden sind die Flüsse durch zahlreiche Kanäle: unter anderem den Mittellandkanal, den Elbeseiten-Kanal und den Main-Donau-Kanal. Die wichtigste Verkehrskreuzung liegt bei Datteln: Dort treffen sich Dortmund-Ems-, Rhein-Herne-, Datteln-Hamm- und Weser-Datteln-Kanal. Insgesamt rund 7300 km Binnenwasserstraßen gibt es in Deutschland, dazu zahlreiche Schleusen, Wehre, Schiffshebewerke und Brücken. Der Bund investiert in seine Bundesasserstraßen rund eine Milliarde Euro jährlich. Und das Bundesverkehrsministerium betont stolz: Von den 74 Großstadtregionen in Deutschland hätten zwei Drittel – genau 56 – einen Binnenwasserstraßenanschluss. Den größten gibt es in Duisburg. Der dortige Hafen – Ruhrort – ist auch der größte Binnenhafen Europas. Dieses komplexe Verkehrssystem nutzen vergleichsweise wenige Firmen: Rund 1300 Unternehmen zählt der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt – größere Reedereien und kleinere Spediteure, die Partikuliere genannt werden – insgesamt knapp 8000 Beschäftigte, von denen auch noch 1600 als Ladepersonal ständig an Land sind. Tendenz leicht abnehmend. Der Jahresumsatz der gesamten Branche liegt bei bescheidenen 1,6 Milliarden Euro. Einzelne große LKW-Spediteure setzen allein doppelt so viel um. Aber dafür schaffen die Binnenschiffer eine Menge weg: Fast 250 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr – gut 12 Prozent aller transportierten Güter. Oder wie die Logistiker rechnen: 65 Milliarden Tonnenkilometer – viel preiswerter als LKW und Bahn, mit einer besseren Ökobilanz – aber eben auch deutlich langsamer als die Konkurrenz auf Straße und Schiene.
Autor/in:
Karl Lohrengel
Stichwort Wirtschaft: Deutsche Binnenschifffahrt. Autor: Karl Lohrengel






