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Wenn etwa eine Bank Geld verleiht, dann will sie vorher möglichst genau wissen, wie wahrscheinlich es ist , dass sie ihren Einsatz auch wieder zurückbekommt – natürlich in voller Höhe, plus Zinsen. Ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dann muss der Schuldner nur wenig Zinsen bezahlen – er hat eine gute Bonität, oder englisch, ein gutes Rating. Umgekehrt verhält es sich entsprechend bei einem schlechten Rating. Er bekommt entweder keinen Kredit oder muss dafür sehr hohe Zinsen bezahlen.
Diese Einschätzung nehmen die Banken aber nicht immer selbst vor – oft folgen sie den Bewertungen von spezialisierten Ratingagenturen. Die größten dabei heißen Moody’s, Standard & Poors und Fitch und sind amerikanische Unternehmen. Sie bewerten Firmen, Finanzprodukte, aber auch die Kreditwürdigkeit von ganzen Staaten. Das beste Rating, das sie vergeben, ist dreifach A oder Triple-A.
Die schlechteste Note, die vergeben werden kann, ist das D für Default – das bedeutet, das ein Kredit ausfällt, der Schuldner also das geliehene Geld nicht zurückzahlen kann. Von Triple-A bis D gibt es etwa 20 Stufen, wobei es schon lange vor dem D schwierig wird, neues Geld zu leihen. Vergibt zum Beispiel Standard & Poors die Note BB+, die in der Mitte der Rating-Skala legt, dann bedeutet das „spekulative Anlage“. Im Klartext ist das schon das vielzitierte Ramschniveau, bei dem kaum ein Investor noch Geld verleihen will und wenn, dann nur zu extrem hohen Zinsen. Noch einige Stufen darunter liegt aktuell Griechenland. Deshalb kann das Land sich selbst auch keine Kredite mehr besorgen und ist auf die Hilfe der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds IWF angewiesen. Mit ihren Bewertungen entscheiden die Ratingagenturen also über das Schicksal von Unternehmen und ganzen Staaten. Massive Zweifel an der Stichhaltigkeit der Ratings gibt es allerdings schon länger – zum Beispiel im Zuge der Bankenkrise 2008. Viele Investments, die die Agenturen mit einem Triple-A-Rating ausgezeichnet hatten, entpuppten sich als sogenannte Giftpapiere, die einige Banken an den Rand des Zusammenbruchs brachten.
Viele europäische Regierungen wollen deshalb ihre Macht begrenzen. Sie fordern zum Beispiel den Aufbau einer eigenen Ratingagentur, angesiedelt bei der Europäischen Zentralbank. Auch der Vorschlag, den amerikanischen Agenturen das Rating angeschlagener Staaten zu verbieten, lag in Europa schon auf dem Tisch. Bisher wurde aber nichts davon verwirklicht.
Autor/in:
Andreas Braun







