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Ziffern und Schriftzug "Profit" (Rechte: WDR / picture alliance)
Sendung vom 06.09.2010, 18:05 bis 18:30 Uhr
Bild: Lkw auf Landstraße; Rechte: dpa

 Zur Kasse gebeten

Stichwort Wirtschaft

Lkw-Maut für Landstraßen

Moderation: Karin Eschbach

Es war eine gewaltige Blamage: Was als ökologisch korrekte Revolution des Güterverkehrs auf der Straße und als leuchtendes Beispiel für das perfekte Zusammenspiel zwischen Staat und Privatwirtschaft geplant war, wurde zur größten Lachnummer der Republik.

Als die LKW-Maut mit großem Brimborium im Sommer 2003 eingeführt wurde, funktionierte das hochmoderne elektronische System genau einen Tag lang: Ein Sonntag, an dem keine Laster auf den Autobahnen unterwegs sein dürfen. Am Tag darauf brach das Chaos aus – und konnte anderthalb Jahre lang nicht wieder unter Kontrolle gebracht werden.

Der Verkehrsminister verlor Milliarden an fest eingeplanten Einnahmen – und streitet bis heute mit dem privaten Gebühreneintreiber Toll Collect, wer dafür aufkommen soll. Aber zumindest funktioniert das System jetzt reibungslos: Über 300 Kontrollbrücken auf den Autobahnen erfassen automatisch alle LKW über 12 Tonnen und berechnen die Gebühr für jeden gefahrenen Kilometer. Die ist gestaffelt, je nachdem wie viele Achsen der Laster hat und wie viel Schadstoffe er ausstößt.

Das Ziel: Die Transportunternehmer sollen ihre teuren älteren LKW verschrotten und auf umweltfreundlichere Modelle umsteigen. Zu diesem Zweck wurde die Maut Anfang 2009 reformiert: Mussten die Spediteure bis dahin im Schnitt gut zwölf Cent pro Kilometer berappen, werden jetzt rund 18 Cent fällig. Die Unternehmer waren empört über die höheren Gebühren ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise. Die Bundesregierung beeindruckte das wenig, ist der Straßenbau doch ein Konjunkturprogramm für sich. Die Flaute auf dem Transportmarkt hat Verkehrs- und Finanzminister im vergangenen Jahr allerdings trotzdem eine knappe Milliarde Euro gekostet: Statt der erhofften fünf Milliarden spülte die Maut lediglich gut vier in die öffentlichen Kassen. Auch, weil die Spediteure ihre LKW vermehrt über die Mautfreien Bundesstraßen schicken.

Das soll allerdings bald vorbei sein: Die Bundesregierung hat im Sparpaket die Maut auch für vierspurig ausgebaute Bundesstraßen beschlossen. Das soll noch einmal bis zu 200 Millionen Euro zusätzlich bringen. Und zwar ab Anfang 2011. Dieser Termin wird aber wohl nicht zu halten sein. Toll Collect hält einen Vorlauf von mindestens sechs bis acht Monaten für zwingend notwendig. Und nach dem gründlich verpatzten Start der Autobahn-Maut wird man diese Schätzung jetzt wohl etwas ernster nehmen.    

Autor/in:

Linda Staude

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