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19. Juni 1999: Die Tinte der Unterschriften von 29 europäischen Bildungsministern trocknet unter der Bologna-Erklärung, bennant nach der traditionsreichen italienischen Universitätsstadt. Dort hatte man sich an diesem Tag auf den bislang weitreichendsten Prozess in der europäischen Hochschulpolitik geeinigt:
Der Bologna-Prozess soll die europäische Hochschullandschaft näher zusammenrücken lassen, Studenten den Wechsel zwischen europäischen Hochschulen erleichtern - kurz: Europa wettbewerbsfähig machen bei der höheren Bildung. Vor allem durch einheitliche Studienabschlüsse und vergleichbare zweistufige Studiensysteme. Das bedeute nicht weniger als einen Generalumbau des deutschen Hochschulsystems: Der Bachelor und der Master - bislang nur in anglophonen Ländern ein Begriff - er sollte nun auch in Deutschland die Magister und Diplome ablösen.
Der Bachelor bildet die Basis. In durchschnittlich 3 Jahren, also 6 Semestern, führt er zu einem ersten universitären Abschluss. Wer höhere akademische Weihen erlangen möchte, kann dann in meist vier weiteren Semestern einen Master draufsetzen. Dazu wurden Studiengänge gerafft, ein Punktesystem eingeführt. Jedes Seminar bringt weiteres Guthaben auf dem individuellen Punktekonto, dass es bis zum Abschluss zu füllen gilt.
Gerade gegen das so genannte Leistungspunktesystem, in den USA, Kanada oder England längst gängige Praxis, regte sich Widerstand. Es führe zu einem Schmalspurstudium, wenn Seminare nicht mehr nach Interesse sondern nur noch mit Blick auf Punkte belegt werden, lautet eine Kritik. Die Arbeitsbelastung der Studierenden im neuen System nehme zu, eine andere. Das Studium werde verschulter, fördere nicht mehr das eigenständige Denken. Vom Humboldt'schen Bildungsideal ganz zu schweigen. Die inhaltlichen Forderungen blieben an vielen Hochschulen die gleichen wie beim Magister, die Zeit sich den Inhalt zu erarbeiten, sie wurde erheblich gestrafft. Neben dem Studium jobben, dass schaffen immer weniger Studenten. Längst nicht allen gelingt es, nach dem Bachelor einen Masterstudienplatz zu ergattern, denn hier gilt häufig eine Zugangsbeschränkung.
Seitdem wurde nachgessert und reformiert, doch die Kritik bleibt. Auch wenn kürzlich bekannt wurde, dass der Bachelor gar nicht so schlecht ist wie sein Ruf. Zumindest bei den Arbeitgebern, die mit Bachelor-Absolventen Erfahrungen gemacht haben. Die Kritik, aber, sie wird bleiben, vermutlich auch nach der heutigen Bologna-Konferenz.
Autor/in:
Kerstin Steinbrecher







