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Ziffern und Schriftzug "Profit" (Rechte: WDR / picture alliance)
Sendung vom 05.10.2009, 18:05 bis 18:30 Uhr
Bild: Stethoskop liegt auf Euro-Noten; Rechte: dpa

 Teure Gesundheit

Gesundheitsfonds

Stichwort Wirtschaft

Moderation: Oliver Thoma

Der Gesundheitsfonds ist nichts anderes als eine große Geldsammel- und –verteilstelle, die beim Bundesversicherungsamt in Bonn angesiedelt ist. Denn hierhin leiten die gesetzlichen Krankenkassen sämtliche Beiträge ihrer 70 Millionen Versicherten weiter. Privat Krankenversicherte sind von diesem System nicht betroffen. Zu den Beiträgen von AOK, Techniker Krankenkasse und Co. kommt ein Zuschuss, den der Bund an den Fonds überweist. In diesem Jahr sind das sieben Milliarden Euro, im kommenden 11,5 Milliarden. Dieses Geld wird von den Beschäftigten des Bundesversicherungsamtes wieder an die derzeit 186 gesetzlichen Kassen zurück überwiesen. Eine Umverteilung, von der manche Kassen massiv profitieren. Josef Hecken, Präsident der Bundesversicherungsamtes erklärt, welche das sind: In erster Linie die Kassen, die kranke Menschen versichern, ältere Versicherte. Also kurz gesagt: Die großen Versorgerkassen, allgemeine Ortskrankenkassen, Barmer Ersatzkassen. Also diejenigen, die eine relativ morbide Versichertenstruktur haben.  

Wie viel eine Kasse bekommt, hängt nämlich von Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand ihrer Versicherten ab. Im schönen Gesundheitsfonds-Bürokratendeutsch nennt sich das Berechnungsverfahren „morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich“. Er bewirkt, dass es für einen 65jährigen Diabetiker mehr Geld gibt, als für einen 32jährigen Gesunden. Kassen, die viele junge Gesunde versichern, sind deshalb auch die Verlierer des Fonds-Umverteilungssystems, so Hecken:  

Man kann grob sagen, dass etwas über 2 Milliarden Euro zugunsten der AOKen und der großen Versorgerkassen umgeschichtet wurden. Von kleineren überwiegend Betriebskrankenkassen. Kommt eine Kasse mit dem Geld aus dem Fonds nicht aus, muss sie von ihren Versicherten einen Zusatzbeitrag erheben – oder mit einer finanziell besser gepolsterten Kasse fusionieren. Erwirtschaftet eine Kasse dagegen einen Überschuss, kann sie an ihre Versicherten eine Prämie ausschütten. Schwierig wird es, wenn der Gesundheitsfonds weniger einnimmt, als er an AOK, Barmer und Co. auszahlen muss. Und genau dies ist durch die Wirtschaftskrise der Fall. So rechnet Prof. Eberhard Wille, Vorsitzender des Sachverständigenrats zu Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, für 2010 mit einem großen Minus im Fonds:  

Es werden nach meiner Schätzung 7-10 Mrd. fehlen. Je nachdem, wie stark die Konjunktur einbricht, denn die einbrechende Konjunktur führt zu niedrigeren Löhnen. Und die Löhne bilden die zentrale Bemessungsgrundlage. Das heißt, die Beitragspflichtigen Einnahmen der GKV. Dieses Loch stopft erst einmal der Bund. Allerdings nur in Form eines Darlehens, das eigentlich ab 2011 zurück gezahlt werden sollte. Passiert das nicht – wird der Kredit also in eine Schenkung umgewandelt - müssen die Steuerzahler dafür bluten. Wird das Darlehen dagegen getilgt, droht den Versicherten ein höherer Krankenkassen-Beitragssatz oder Zusatzbeiträge.      

Autor/in:

Anne Schneider

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Stichwort Wirtschaft: Gesundheitsfonds (ein Beitrag von Anne Schneider)




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