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Es ist ein gerne genommener Vergleich: Öl, so heißt es oft, sei der Schmierstoff der Weltwirtschaft. Wird Öl knapp, dann stottert der Wachstumsmotor. Ganz falsch ist das nicht. Es gibt sogar eine Art Faustformel, wie Ölpreis und Wirtschaftswachstum zusammenhängen. Thorsten Schmidt, Konjunkturexperte beim Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung: „Nach unseren Modellrechnung führt ein Anstieg von 10 Dollar beim Ölpreis zu einem Absenken des Wirtschaftswachstums um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte.“ Steigt der Preis für Rohöl, dann müssen Verbraucher mehr fürs Tanken und Heizkosten ausgeben – dieses Geld fehlt dann für andere Käufe. Vor allem aber sorgt ein hoher Ölpreis dafür, dass bei den Firmen die Produktionskosten steigen. Auch bei solchen, die mit Öl eigentlich nicht viel zu tun haben. Sie bekommen die höheren Kosten indirekt zu spüren -- weitergereicht, etwa von der chemischen Industrie, die selbst viel Öl benötigt und ihre Produkte an fast alle Branchen weiterverkauft. Doch nicht immer muss ein hoher Ölpreis fatale Folgen für die Wirtschaft haben. Wichtig ist auch, warum der Ölpreis steigt. „Man hat im Jahr 2008 gesehen, dass die Ölpreise sehr stark angestiegen sind aufgrund der starken Nachfrage aus den Schwellenländern. Das war für die Industrieländer mit sehr geringen dämpfenden Effekten für die Wirtschaftsaktivität verbunden. Weil eben auch die Nachfrage nach Exportgütern aus diesen Ländern sehr hoch war.“ Sprich: Öl war zwar teuer, dafür kamen aber auch viele Aufträge herein. „Das ist diesmal eben in der jetzigen Phase deutlich anders. Es ist zu befürchten, dass die Produktion in Libyen reduziert wird und das hätte eben sehr viel stärkere Effekte auf die Wirtschaftsaktivität in den Industrieländern.“ Weil das Angebot knapper wird. Dennoch: Ein Ölpreisschock wie in den 70ern droht nicht, meint der RWI-Forscher. Zum einen sei die Industrie nicht mehr ganz so ölabhängig wie noch vor 40 Jahren. Zum anderen habe auch die Politik gelernt und würde nicht den Fehler wiederholen, die steigenden Öl-Kosten, und damit die Inflation, mit höheren Zinsen zu bekämpfen. Denn das hätte die Wirtschaft damals zusätzlich abgewürgt.
Autor/in:
Jörg Marksteiner






