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Ziffern und Schriftzug "Profit" (Rechte: WDR / picture alliance)
Sendung vom 04.04.2011, 18:05 bis 18:30 Uhr
Bild: Deutsche Fans bei der WM 2006; Rechte: dpa

 Wieviele sind wir?

Stichwort Wirtschaft

Volkszählung

Moderation: Anne Schneider

Wie viele Menschen wohnen in Deutschland? Rund 80 Millionen, werden die meisten darauf erwidern. Doch für Statistiker ist das viel zu ungenau. Die letzte Volkszählung fand im Jahr 1987 statt. Und seitdem hat sich vieles geändert – ohne dass eine Behörde oder ein Amt davon etwas mitbekommen hat. Deshalb müssen die amtlichen Daten von Zeit zu Zeit durch Befragung der Bürger auf eine solide Grundlage gestellt werden.  

Beim neuen Zensus handelt es sich um eine Stichprobe. Das heißt: Nicht alle werden befragt, wie das noch bei der letzten Volkszählung der Fall war, sondern nur jeder 10. Haushalt. Die dabei ermittelten Antworten werden hochgerechnet und die Ergebnisse mit den bei den Ämtern vorliegenden Daten verglichen. So kommt man Fehlern in der bestehenden Statistik auf die Spur.  

80.000 Helfer werden vom 9. Mai an ausschwärmen und zufällig ausgewählte Bürger befragen. Nach Alter, Familienstand, Herkunft, Ausbildung und Berufstätigkeit. Die Antworten können auch per Post oder E-Mail gegeben werden. Verweigern können sich die Ausgewählten nicht, Teilnahme ist Bürgerpflicht – ansonsten drohen Strafen bis zu einer Höhe von 5.000 Euro. Allerdings sind einige Antworten freiwillig, zum Beispiel die nach dem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis.

Dazu kommt eine Wohnungs- und Gebäudeerhebung. Die läuft nur per Post. Dabei soll ermittelt werden, wie viele Häuser und Wohnungen es in Deutschland gibt und wie sie ausgestattet sind. Insgesamt wird somit ein Drittel der Bevölkerung mit der Volkszählung behelligt.

Nicht nur für die Statistiker sind die Ergebnisse wichtig. Politiker wollen wissen, wo künftig wie viele Schulen, Krankenhäuser und Altenheime gebraucht werden. Von der Bevölkerungsverteilung hängt der Zuschnitt der Wahlkreise ab, ebenso der Länderfinanzausgleich und das Gewicht der Länder im Bundesrat sowie die Verteilung von EU-Förderung an die Regionen.  

Dabei ist klar: Nicht jeder lässt sich gerne ausfragen – schon gar nicht vom Staat. Die letzte Volkszählung wurde nach Bürgerprotesten 1983 zunächst gestoppt. Die Befragung konnte erst vier Jahre später nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts mit entschärftem Fragenkatalog nachgeholt werden.  

Nun beteuern die Statistiker, ein besonders schonendes und sicheres Verfahren gefunden zu haben. Der Datenschutz sei gewährleistet, alle Angaben würden anonymisiert. Und auch unangenehme Nachfragen vom Amt, wenn Angaben bei der Volkszählung und bei Behörden im Einzelfall nicht übereinstimmen, brauche niemand zu fürchten. Übrigens: Bei der letzten Volkszählung stellte sich heraus, dass in Deutschland genau 1,3 Millionen Menschen weniger leben, als gedacht. Bis 2013 sollen die neuen Daten komplett ausgewertet sein.

Autor/in:

Wolfgang Otto

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