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Wenn man es ganz vereinfacht ausdrücken will, dann sind Derivate einfach Wetten. Auf Ereignisse, Kursstände, Entwicklungen in Kredit- oder Zinsgeschäften. Bei Devisen und so weiter. Die Liste lässt sich beliebig erweitern. Gewettet werden kann auf alles.
Grundsätzlich waren Derivate einmal dazu da, Geschäfte am Finanzmarkt abzusichern. Wenn jemand ein solches Geschäft abgeschlossen hatte, sein Risiko aber minimieren wollte, dann konnte er auf eine gegenteilige Entwicklung setzen - mit einem vergleichsweise geringen Einsatz. Klappte das ursprüngliche Geschäft, ging dieser Einsatz verloren. Ging das Geschäft aber schief, dann hatte die Wette den Effekt, dass durch sie der entstandene Verlust - unterm Strich - ausgeglichen oder zumindest minimiert wurde.
Das passiert auch heute noch so. Doch inzwischen wird mit Derivaten ein regelrechter Handel betrieben. Nicht nur an den Börsen, sondern zunehmend auch außerbörslich: über Handelshäuser und Banken. Die Commerzbank zum Beispiel ist der größte Anbieter auf diesem Markt - und muss auch deshalb immer neue Derivate kreieren mit denen sich dann handeln lässt - was vor wenigen Wochen zu dem absurden Fall führte, dass die Bank Wetten auf ihren eigenen Untergang anbot. Die Aktie des Unternehmens befand sich zu diesem Zeitpunkt im freien Fall.
Kritisiert wird der Derivatemarkt vor allem, weil er sich zunehmend von der realen Wirtschaft gelöst hat. Der Umfang der Geschäfte in diesem speziellen Bereich der Finanzmärkte übersteigt den Wert aller weltweit gefertigten Güter um das Dreifache.
Die beiden Börsen NYSE Euronext und Deutsche Börse gehören auf diesem Markt weltweit zu den größten Anbietern. Die Terminbörse Eurex ist dabei für die Deutschen einer der größten Gewinnbringer - gemeinsam mit der New Yorker Börse hätten die Deutschen den Markt aber beherrscht - was die Wettbewerbshüter in Brüssel nun auf den Plan rief. Sie sollten sich deshalb auch von einigen dieser lukrativen Unternehmensteile trennen.
Autor/in:
Samir Ibrahim







