Das Bestattungsgewerbe

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Profit am Montag, 19.11.2012, 18:05 bis 18:30 Uhr

Das Bestattungsgewerbe

Kein todsicheres Geschäft

Von Jessica Sturmberg

Der Bestattungsbranche müsste es eigentlich bestens gehen: Die Zahl der Sterbefälle wird aufgrund der demografischen Entwicklung in den kommenden Jahren auf jeden Fall steigen. Davon profitieren die Bestatter – könnte man meinen. Aber ganz so optimistisch ist die Branche nicht. Viele Menschen können sich teure Bestattungen nicht leisten.


Bei der Bestattung wird gespart

Sargträger; Rechte: WDR / Mauritius Images
Individuelle Beisetzungen liegen im Trend

 

In der Trauerhalle des Kölner Bestattungshauses Kuckelkorn wird oft gelacht. Der Grund: Es werden lustige Geschichten auf Kölsch vorgetragen. Mit Lesungen und Konzerten will das Bestattungsunternehmen Schwellenangst abbauen und auch potenzielle Kunden für sich gewinnen. "Unsere Intention ist, dass wir Menschen gerne zu uns einladen, mal in die Räume eines Bestatters zu kommen ohne einen Sterbefall zu haben", sagt der Bestatter Christoph Kuckelkorn.

Ganz so optimistisch wie die Zahlen es eigentlich hergeben müssten, sind die Bestatter für ihre Branche nicht. Zwar wird es in den kommenden Jahren mehr Sterbefälle geben, doch zugleich verzeichne der Branchenverband, dass die Summe, die für eine Bestattung bereitgestellt wird, geringer sei, sagt Oliver Wirthmann, Geschäftsführer im Bundesverband Deutscher Bestatter. "Man versucht dort Kosten zu sparen, aufgrund veränderter Werthaltungen und weltanschaulicher Prämissen, aber auch weil die finanziellen Möglichkeiten für eine große Zahl von Menschen geringer werden", so Wirthmann. Die Schere gehe auch hier immer weiter auseinander. Er schätzt, dass etwa 60 Prozent der Bestattungen in Deutschland sich aus einer bürgerlichen Mitte speisen, wo Menschen einen mittleren Preis beauftragen. Etwa weitere zehn Prozent gebe es in einem sehr gehobenen Preissegment. Die übrigen 30 Prozent seinen von der neuen Prekarisierung betroffen, so Wirthmann. Damit meint er diejenigen, deren Einkommen knapp über Sozialhilfeniveau liegt.


Harter Wettbewerb unter deutschen Bestattern

Christoph Kuckelkorn; Rechte: WDR/Dirk Borm
Bestatter Christoph Kuckelkorn

In Deutschland gibt es rund 4.000 Bestattungsunternehmen, große Konzerne, ganze Ketten sind nicht darunter. Lediglich ein Handvoll größerer Unternehmen. Es ist wohl die besondere Aura dieses Handwerks, dass es vor allem örtliche Familienunternehmen sind – oftmals mit langer Tradition – die den Markt prägen und um die 20 Mitarbeiter beschäftigen. Die Menschen fühlten sich bei diesem sensiblen Thema in einem kleinen bis mittelständischen Betrieb einfach besser aufgehoben. Viele kleine Anbieter bedeuten aber auch viel Konkurrenz, erläutert Wirthmann. "Die Branche steht unter einem starken Wettbewerbsdruck, denn es gibt sehr viele Bestatter in Deutschland", so Wirthmann.

Ein mittelgroßes Bestattungsinstitut macht etwa 500 Beisetzungen im Jahr. Viel weniger dürften es auch nicht sein. Um sich am Markt zu behaupten, müsse man den Angehörigen heute individuelle Beisetzungen anbieten, sagt der Kölner Bestatter Christoph Kuckelkorn. Anders als vor 50 Jahren seien Bestattungen heute viel interaktiver und kreativer. Familien halten Traueransprachen in den Kirchen und gestalten die Trauergottesdienste mit.


"Return to Sender"

Blaue Urne mit HSV-Logo; Rechte: WDR / Imago
Für Fußball-Fans: HSV-Urne

Sehr häufig wollen die Angehörigen eine persönliche Note des Verstorbenen beim Abschied einbringen. Das kann beispielweise sein, dass die Asche auf dem Matterhorn oder auf einem bestimmten Koordinaten im Atlantik abseits aller Handelsrouten verstreut werden soll.

Auch solche exklusiven Wünsche werden für das nötige Kleingeld erfüllt. Die Ideen für die eher kleineren individuellen Details holt sich Christoph Kuckelkorn auf Bestattermessen. Die Hersteller haben längst auf den Trend reagiert und bieten immer ausgefallenere Produkte an. Urnen mit Fußball-Vereinslogo etwa oder auch ein Sarg, mit der Aufschrift: "Return to Sender".




Stand: 19.11.2012




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