Warum ich die Zeitung liebe

Ziffern und Schriftzug "Profit" (Rechte: WDR / picture alliance)
Profit am Samstag, 08.12.2012, 18:05 bis 18:30 Uhr

"Warum ich die Zeitung liebe"

Zum Aus für die "Financial Times Deutschland"

Am Freitag (07.12.2012) ist zum vorerst letzten Mal der deutsche Ableger der Wirtschafts-Tageszeitung "Financial Times" erschienen. Eingestellt wurde das Blatt aus Kostengründen. Ein Nachruf von WDR-Hörfunkredakteur Jürgen Döschner.


Informationen und Papier gehören zusammen

Jürgen Döschner, Rechte: WDR
Jürgen Döschner

Im Radio ist es nicht schwer, sein wahres Alter zu verbergen. Aber spätestens jetzt, wenn ich Ihnen erzähle, dass ich für mein persönliches Handarchiv regelmäßig Zeitungsartikel ausschneide und dass ich in meinem Volontariat bei den Ruhr-Nachrichten in Bochum noch den Bleisatz miterlebt habe, dann werden Sie erahnen, dass ich die 50er-Grenze längst überschritten habe. Ja sicher, als Journalist muss man mit der Zeit gehen. Und natürlich habe auch ich ein Smartphone und ein Tablet, bin vernetzt, verlinkt und verdrahtet. Doch für mich - ja, das sage ich ausdrücklich als Radiomann - gehören Informationen und Papier nach wie vor untrennbar zusammen.


Ein trauriger Tag

Titelblatt der letzten Ausgabe der Financial Times Deutschland; Rechte: dpa
Die letzte Ausgabe der "ftd"

Der gestrige Tag, an dem die "Financial Times Deutschland", zum letzten Mal erschien, ist für mich deshalb ein trauriger Tag. Die ftd war lange Jahre mein ständiger Begleiter in der Bahn auf dem morgendlichen Weg ins Büro. Eine zeitlang habe ich versucht, sie auf dem Tablet zu lesen. Doch das habe ich schnell aufgegeben. Nicht, dass es zu kompliziert gewesen wäre. Aber ohne Papier fehlt eben was. Mir zumindest.


Lesen lernen am Frühstückstisch

Das mag dran liegen, dass ich quasi mit der Zeitung aufgewachsen bin. Meine Eltern hatten immer eine Tageszeitung abonniert. Als Vierjähriger habe ich mit der NRZ, der Neuen Ruhr-Zeitung, Lesen gelernt. Zu einem guten Frühstück gehört für mich die Zeitung genauso wie der Kaffee und das frische Brötchen.

Und als ich vor vielen Jahren, damals noch Oberstufenschüler, meinen ersten eigenen Artikel in der Zeitung gedruckt sah, war das für mich das Größte. Und ich gestehe: Mein eigentliches Ziel nach Abschluss meines Journalistik-Studiums war nicht der flüchtige, vergängliche Rundfunk, sondern die Zeitung.


Das kriegt kein Tablet hin

Tablet zeigt Wirtschaftsnachrichten; Rechte: WDR
Kein würdiger Nachfolger

Nach mehr als 25 Jahren beim WDR habe ich inzwischen auch das Radio lieben gelernt. Doch nach wie vor spielen Zeitungen für mich eine ganz große Rolle. Als Informationsquelle im Beruf, aber auch als Anregung und Zeitvertreib nach Feierabend. Und Zeitung, das bedeutet für mich eben auch Druckerschwärze an den Fingern, lautes Knistern und manchmal umständliches Umblättern. Kein Tablet kriegt das hin.



Stand: 07.12.2012




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