Zocken mit Weizen

- Profit-Serie vom 27.-31.08.2012, täglich ab 18:05 Uhr
Bauern zocken mit Weizen und Raps
Serie: Dürre weltweit - Hunger, Armut, Konsum
Von Michael Westerhoff
Die Dürre in den USA und die hohe Nachfrage nach Biosprit spielen den deutschen Bauern in die Hände. Getreide ist so teuer wie fast nie zuvor. Aber nur Landwirte, die richtig zocken, können wirklich gutes Geld verdienen.
Der Profit-Beitrag zum Nachhören
"Zocken mit Weizen" von Michael Westerhoff
Mähdrescher und Laptop – das sind die beiden wichtigsten Arbeitsgeräte von Landwirt Heinrich Albersmeier aus Anröchte: Nur wenn er seine Ernte zum richtigen Zeitpunkt verkauft, kann er viel Geld verdienen: "Ob ich den Weizen vormittags oder nachmittags verkaufe, kann entscheidend sein". Deshalb beobachtet er regelmäßig über den Tag die Weizenpreise an den wichtigen Börsen in Paris und Chicago.
Dürre in USA lässt Getreidepreise explodieren [Profit, 22.07.2012]
Pokern und Zocken an der Getreidebörse

- Landwirt Heinrich Albersmeier
"Pokern und zocken" sei das, sagt Albersmeier. Er kann seine Ernte nämlich jederzeit verkaufen. Sogar bevor er den Weizen überhaupt gesät hat. Einmal hat er sich dabei schon kräftig verzockt. Das war 2008. Im Frühjahr des Jahres hatten ihm Händler 21 Euro für 100 Kilogramm Weizen geboten, Albersmeier spekulierte jedoch auf steigende Preise und wollte erst im August nach der Ernte verkaufen. Da lag der Preis aber nur noch bei der Hälfte. Seither verteilt der 44-Jährige das Risiko: "Ein Drittel des Weizens verkaufe ich vor der Ernte, ein Drittel während der Ernte und den Rest im Winter."
Bauern haben sich verzockt

- Hans-Heinrich Wortmann
In diesem Jahr hätten sich viele Landwirte verpokert, bestätigt Hans-Heinrich Wortmann, der Sprecher der Bauern im Großraum Dortmund. Viele haben nicht mit der Dürre in den USA und den damit verbundenen Rekordpreisen gerechnet und ihren Weizen zu wesentlich niedrigeren Preisen im Frühjahr verkauft. Ein schlechtes Geschäft. Im März lag der Weizenpreis noch 60 Euro pro Tonne niedriger als heute. Trotzdem seien die Acker-Bauern nicht unglücklich. Auch der Preis für den Raps steht auf Rekordhöhe und verspricht satte Gewinne. Der Grund: Die hohe Nachfrage, weil Rapsöl Diesel-Kraftstoffen beigemischt wird.
Futterkosten machen Bauern zu schaffen
Das Glück der Ackerbauern ist das Unglück der Viehzüchter: "Schweinezüchter und Bauern mit Kühen verfüttern Getreide an ihre Tiere", erklärt der 52-jährige Wortmann, der selber Schweine hält: "Die Schlachtpreise steigen nicht im selben Maße wie die Futterkosten." Die Folge: Die Gewinne der Landwirte schrumpfen. Langfristig müssten deshalb die Fleischpreise in Deutschland steigen, fordert bereits der Deutsche Bauernverband.
Brötchen-Preise steigen

- Bäcker klagen über Getreidepreise
Die Bäcker haben bereits eine Preiserhöhung von bis zu 25 Prozent für Brot und Brötchen angekündigt. Verantwortlich dafür: Die hohen Getreidepreise, sagen Vertreter des Bäckerhandwerks. Bauernvertreter Wortmann ärgert das: "Mehl kostet pro Brötchen maximal fünf bis sechs Cent. Die Bäcker wälzen ihre gestiegenen Kosten für Energie und Löhne auf die Verbraucher ab und geben uns Bauern dafür Schuld."
Serie: Dürren und die Folgen [Profit]
Rapsöl im Biosprit [WDR 5, 28.10.2010]
Weizen - von der Saat bis zur Ernte [Planet Schule, 04.04.2012]
Stand: 28.08.2012




