Genossenschaften

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Profit am Samstag, 18.08.2012, 18:05 bis 18:30 Uhr

Ein bisschen Eigentum zur Miete

Fragen und Antworten zu Wohnungsbaugenossenschaften

Die Vereinten Nationen haben 2012 zum Jahr der Genossenschaften erklärt. In NRW profitieren vor allem die Bewohner von rund 340.000 Genossenschaftswohnungen vom Modell der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung.


Interview aus der Profit-Sendung

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Interview mit Christa Kolb, Vorstandsvorsitzende der Marketinginitiative "Typisch Genossenschaften" Rheinland/Westfalen


Was ist bei einer Genossenschaftswohnung anders?

Mehrfamilienhäuser mit Straße davor, Rechte: Freie Scholle
Wohnen in der Genossenschaft

Das Ziel einer Wohnungsgenossenschaft ist es, preiswerte Wohnungen für ihre Mitglieder zu schaffen und dabei wirtschaftlich zu handeln. Daneben spielen aber auch soziale Aspekte eine wichtige Rolle. So war die Freie Scholle in Bielefeld das erste Quartier, das Altenwohnprojekte realisierte. Da die Mieter zugleich Mitglieder der Genossenschaft sind, sind die Bewohner oft besser integriert und informiert. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft lobte die 290 Genossenschaften in NRW als positiven Gegenpol zu solchen Finanzinvestoren.

Bezahlbarer Wohnraum dringend gesucht [Westpol, 24.06.2012]
Preiswerte Wohnungen [Servicezeit, 20.03.2012]


Wie bekomme ich eine Genossenschaftswohnung?

Eine Familie besichtigt eine leere Wohnung, Rechte: WDR/Hackenberg
Schwierige Wohnungssuche

Wer in einer Genossenschaftswohnung leben möchte, muss zunächst Mitglied der Gesellschaft werden und erhält damit ein Dauernutzungsrecht. Die Mitglieder leben so lange in der Wohnung, wie sie wollen.  Anders als bei Eigentum kann die Mitgliedschaft jedoch gekündigt und der Genossenschaftsanteil zurück gegeben werden.


Was kostet ein Genossenschaftsanteil?

Im Durchschnitt kostet ein Genossenschaftsanteil nach Angaben des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (VdW) in NRW 300 Euro. Aber: Wer eine Wohnung zugeteilt bekommt, muss oft mehrere Anteile erwerben. Die Genossenschaftsmitglieder besitzen ein durchschnittliches Geschäftsguthaben von 1.100 Euro, auf das sie in der Regel eine Dividende von rund vier Prozent bekommen. Mitglied in der Genossenschaft wird nur der Hauptmieter, die übrigen Mitbewohner müssen keine Anteile übernehmen.


Wie hoch sind Miete und Nebenkosten?

Ein Mehrfamilienhaus auf einem Spielplatz, Rechte: Freie Scholle
Genossen wohnen oft günstiger

Die Genossenschaften agieren auf dem gleichen Markt wie andere Anbieter. Auch bei Genossenschaften gibt es keine Schnäppchenpreise in begehrten Vierteln. Insgesamt sind die monatlichen Kosten für eine Genossenschaftswohnung günstiger als auf dem freien Immobilienmarkt. So betrug die durchschnittliche Nettokaltmiete 2011 bei Genossenschaften in NRW 4,82 Euro, die durchschnittliche Nettokaltmiete aller Anbieter lag dagegen bei 5,76 Euro. Auch bei den Nebenkosten sind Genossenschaften aufgrund ihrer Größe oft günstiger. So leistet sich beispielsweise die Bielefelder Genossenschaft Freie Scholle eine eigene Kabelgesellschaft. 


In welchem Zustand sind die Wohnungen?

Die Qualität der Wohnungen ist sehr unterschiedlich, zum Teil investieren die Genossenschaften intensiv in Neubau und Modernisierung. Nach Angaben des Branchenverbandes VdW waren 2011 jedoch 9,1 Prozent der Genossenschaftswohnungen in NRW sanierungsbedürftig. 


Wie lang sind die Wartezeiten?

Ein helles Wohnzimmer mit einem Sofa und Tisch, Rechte: WDR/Eckenroth
Hohe Ansprüche, lange Wartezeiten

Fast alle Genossenschaften haben Wartelisten für Wohnungen. Während dieser Bewerbungsphasen muss man in der Regel aber noch kein Mitglied sein. Die Wartefristen hängen stark von Lage und Ausstattung ab. "Während wir in der Rheinschiene lange Wartelisten haben, gibt es im Sauerland auch schon einmal Leerstand", sagt Andreas Gröhbühl vom VdW Rheinland-Westfalen. Wie lange man wartet, hängt stark von den Ansprüchen ab. Bei der Kölner Wohnungsgenossenschaft "Die Ehrenfelder" kann man ein einfaches Appartement ohne Balkon rund ein Jahr nach Anmeldung beziehen. Wer eine größere Wohnung mit gehobener Ausstattung will, braucht hier aber mehrere Jahre Geduld.


Welche Rechte und Pflichten gibt es?

Wer Mitglied in einer Wohnungsbaugenossenschaft wird, erhält ein sogenanntes Dauernutzungsrecht und kann über die von ihm gewählte Vertreterversammlung bei wichtigen Vorhaben mitbestimmen. Daneben gilt das normale Mietrecht. Das heißt, der Bewohner muss seine Miete bezahlen und pfleglich mit der Wohnung umgehen, während der Vermieter sich um Reparaturen und Schäden kümmern muss. "Wir haben hier eigentlich keine Beschwerden von Mietern von Genossenschaftswohnungen", bestätigt Elisabeth Gendziorra, Geschäftsführerin vom Deutschen Mieterbund NRW. Die Genossenschaften würden professionell gemanagt, da gebe es beispielsweise keine Klagen über falsche Nebenkostenabrechnungen.


Für wen ist eine Genossenschaftswohnung geeignet?

Ein Balkon mit Blumen, Rechte: mauritius images
Eigene Wünsche

Leben in Wohngenossenschaften ist ideal für Menschen, die mehr mitbestimmen wollen als bei einem normalen Mietverhältnis, aber die Kosten oder Verantwortung für Eigentum scheuen. Viele nehmen aber ihre Rechte gar nicht wahr, manche überschätzen auch ihren Einfluss als Mitglied. "Auch wenn Genossenschaften durch die Mitgliedschaft näher an ihren Mietern und Mitgliedern sind als andere Vermieter, so können sie doch nicht jeden Einzelwunsch erfüllen", sagt Eric Christian Meyer vom Institut für Genossenschaftswesen der Universität Münster. Denn die eigenen Wünsche können die Bedürfnisse der anderen Mitglieder beschneiden. Daher muss die Genossenschaft immer zwischen den Wünschen und Nutzen für alle Mitglieder abwägen, um auch die Wirtschaftlichkeit der Genossenschaft im Interesse aller Mitglieder zu wahren.




Stand: 17.08.2012




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