Donnerstag, 23.05.2013

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Die Beine der Kanzlerin und ihren Ministern, Rechte: dpa
Sendung vom 19.09.2012, 19:05 bis 19:30 Uhr
Geflügelmast; Rechte: dpa

 Putenmast

Noch eine Liste

Das halbherzige Vorgehen gegen Antibiotika in der Tierzucht.
Ein Kommentar von Ruth Schulz

Das Kabinett hat am Mittwoch (19.09.12) die Änderung des Arzneimittelgesetzes beschlossen. Die Bundesländer sollen bessere Möglichkeiten bekommen, den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast zu überwachen. Deshalb will man eine Datenbank einrichten, an die alle Betriebe melden müssen, wann sie welche Antibiotika in welchen Mengen einsetzen. Ob die Mengen dadurch zurückgehen? 

Über 1700 Tonnen Antibiotika in einem Jahr! Dazu noch einmal geschätzt ein Drittel vom Schwarzmarkt . Sind unsere Tiere eigentlich chronisch krank? Kaum ein Hähnchen kommt in seinem kurzen Leben ohne aus. Haben nur ein paar seiner 1000 Stallgenossen eine Fips – ist gleich was in der Futtertränke. Und jetzt: Eine Datenbank. Schön. Landwirte sollen dort eintragen, wie viele Antibiotika sie im Stall einsetzen. Ein öffentliches Arzneibuch also, dabei muss schon jetzt jeder Betrieb eines führen und bei Kontrollen vorlegen. Da bleibt ja alles beim alten!

Viele Landwirte füllen sogar schon freiwillig Computerlisten aus, wenn sie an einem so genannten Qualitätsprogramm teilnehmen wollen. Weniger Antibiotika verwenden sie deshalb aber nicht. In der neuen Datenbank sollen die Behörden schneller nachsehen können - sie müssen nicht mehr extra auf den Hof fahren. Und wenn ein Betreib mehrmals auffällt - so nach einem Jahr vielleicht… -, ja dann will man genauer hinschauen.

Schlechter Witz

Liegt es am Management? An der Haltung? Am Tierarzt? Es ist ein Schmuh! Ein schlechter Witz. Schon jetzt gibt es viele Vorschriften und fast so viele Möglichkeiten, es hier und da doch nicht so genau zu nehmen. Zur Not wechselt man den Tierarzt oder kauft die Medikamente jenseits der Grenze oder im Internet.

Auch Tiere haben ein Recht darauf, behandelt zu werden, wenn sie krank sind – und wir Verbraucher erwarten natürlich Fleisch von gesunden Schweinen oder Hähnchen. Aber so wird die Fleischproduktion für uns mehr und mehr zum Risiko. Immer mehr Bakterien werden unempfindlich. Ärzte bekommen Infektionen im Krankenhaus oft nicht mehr in den Griff. Das muss sich ändern.

Jüngere Antibiotika, die Menschen noch zuverlässig helfen, könnte man zum Beispiel als Tierarznei verbieten. Und Tiere so zu züchten und zu halten, dass sie nicht gleich umfallen, wenn ein Keim vorbeifliegt – das könnte viele Medikamente im Stall überflüssig machen. Eine Datenbank schafft das nicht.

Autor/in:

Ruth Schulz

Redaktion:

Morten Kansteiner

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