Wie Ungleichheit zementiert wird
Jährlich werden in Deutschland 170 Mrd. Euro Vermögen vererbt. Soziologen kritisieren: Wohlstand beruht nicht mehr auf individueller Leistung sondern wird durch Erbschaft unverdient erlangt. [mehr]

Feudale Strukturen heute - Serie in Politikum
Vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein prägte der Feudalismus die Gesellschaftsordnung Europas. Eine kleine Minderheit verfügte über Grund und Boden und herrschte über eine große, in ihren Rechten und Freiheiten stark eingeschränkte Mehrheit. Die adeligen Feudalherren genossen Privilegien, definierten sich über ihre Abstammung und pflegten eine eigene Kultur.
Tempi passati? - Heute besitzen 30 Prozent der deutschen Bevölkerung 91 Prozent des Nettovermögens. Reichtum wird vererbt – Armut aber auch. Oberschichten schotten sich ab, "durchregieren" nach Gutsherrenart ist beliebter Politikstil, Demokratie scheint lästig zu werden. Soziologen sprechen bereits von einer "Refeudalisierung": Der moderne Feudalist besitzt Häuser, Firmen und Beziehungsnetze, er erntet auch da, wo er nicht gesät hat: Mit Zinsen und Kapitalgewinnen, die zumeist noch steuerlich begünstigt werden.
In der Reihe "Nobel geht die Welt zugrunde" geht Politikum der Frage nach: Wie weit ist Deutschland bereits auf dem Weg zum Neofeudalimus?
Sighard Neckel: Refeudalisierung der Ökonomie [Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung]
Stand: 13.08.12