s
Als Tochter afrikanischer Einwanderer wird die 29-jährige Seble Woldeghiorgis aus Bologna oft als "Ausländerin" wahrgenommen, doch sie ist Italienerin. Italien ist ihr Heimatland, Italienisch ihre Muttersprache. Sie macht die besten Nudeln weit und breit, schwärmt für italienische Liedermacher und ist nach einem jahrelangen Aufenthalt in London nach Italien zurückgekehrt: "aus Heimweh" - ein Beispiel bester Integration also. Doch die zunehmende Feindseligkeit gegenüber Neueinwanderern in Norditalien bewegt sie zu einer grundlegenden Wende: heraus aus der eigenen Komfortzone, hinein in den elenden Alltag afrikanischer Immigranten, die oft ohne Papiere leben, zu Hungerlöhnen schwarz arbeiten und sich nicht trauen, auf ihre Menschenrechte zu pochen. Seble Wholdegiorghis gibt diesen "Unsichtbaren" in der italienischen Gesellschaft eine Stimme. Sie gründet mit zwei anderen Frauen ein Netzwerk, das über Arbeitsrecht und Beratungsangebote informiert, Pressearbeit macht, eine Lobby ist für die Bedürfnisse der Einwanderer wird. Seble organisiert im März 2009 den ersten Streik von Immigranten in Mailand, bei dem Tausende auf dem Domplatz für ihre Rechte demonstrieren. Sie geht in den Vierteln, in denen die Immigranten wohnen, von Tür zu Tür, um für aktives Engagement zu werben und nimmt sich der Probleme jedes Einzelnen an. Ihren gut bezahlten Job in der Modebranche hat sie dafür aufgegeben.
Autor/in:
Kirstin Hausen
Redaktion:
Regina Tanne
Serie Starke Frauen: Seble Wholdegiorghis






