s
Ihr Foto geht 1976 um die Welt. Es zeigt ein kleines Mädchen, dessen Gesicht mit roten, eitrigen Pusteln überzogen ist, die Augen geschlossen, den Mund geöffnet zu einem Schrei der Verzweiflung. Das Foto wird zum Symbol für den Dioxinunfall im norditalienischen Seveso vor 30 Jahren.
Stefania Senno heißt das Mädchen und ist heute eine Frau von Anfang Dreißig. Von dem aggressiven Hautausschlag, ausgelöst durch das Dioxin in der Luft, sind ihr Narben geblieben, fein und rund wie Stecknadeleinstiche. Drei Hauttransplantationen haben ihr geholfen, sich "fast wie ein gewöhnlicher Mensch" zu fühlen. Fast, denn die Erinnerungen an das abrupte Ende ihrer unbeschwerten Kindheit lassen sie nicht los: "Ich war kein Kind mehr, sondern ein Monster", sagt Stefania, wenn sie sich die Fotos in den Zeitungen von damals anschaut. Sie hat sie gesammelt, gegen den Willen der Eltern, die die Katastrophe von Seveso möglichst vergessen wollen.
"Ich kann das nicht. Meine Geschichte trage ich doch im Gesicht" sagt Stefania. Aber erst jetzt hat sie den Mut, Anderen diese Geschichte zu erzählen.
Autor/in:
Monika Mengel
Redaktion:
Regina Tanne
Starke Frauen: Stefania Senno - Geburtsort Seveso






