s
Fatima Mernissi ist 1940 geboren und in einem Harem in der marokkanischen Königsstadt Fes aufgewachsen. Als sie bei einer Konferenz in Berlin gefragt wird, warum sie dennoch derart freimütige literarische Essays und Romane schreibe, hält sie einen Moment inne. Dann greift sie nach ihrer Handtasche unterm Tisch. Wortlos zieht sie ein riesiges rosafarbenes Chiffontuch hervor, faltet es genüsslich, bedeckt mit dem Dreieck ihre hennaroten Locken. Schließlich verknotet sie die Enden des Tuches im Stil frommer Musliminnen unterm Kinn. Dann ruft sie mit einem herausfordernden Lächeln in den vollbesetzten Saal hinein: "So! Bin ich jetzt eine andere?" Die Zuschauer amüsieren sich köstlich über die unerwartete Aktion. Unter den Titeln "Geschlecht, Ideologie, Islam" und "Der Politische Harem" hat Fatima Mernissi Standardwerke des arabischen Feminismus veröffentlicht, die seit fast vier Jahrzehnten in der gesamten islamischen Welt immer wieder neu aufgelegt werden. In ihren Studien, Essays und Romanen, die fast sämtlich auch auf Deutsch vorliegen, fühlt die Marokkanerin aber nicht nur den arabischen und muslimischen Machos gehörig auf den Zahn. Sie hält auch dem vermeintlich so emanzipierten Westen den Spiegel vor. Frauenunterdrückung und autoritäre politische Herrschaft sind für Fatima Mernissi zwei Seiten einer Medaille. Seit Ende der 1990er Jahre engagiert sie sich deshalb für die Demokratisierung der marokkanischen Gesellschaft. In diesem Jahr wird die Grande Dame der marokkanischen Frauenbewegung und Zivilgesellschaft 70 Jahre alt.
Autor/in:
Martina Sabra
Redaktion:
Regina Tanne
Starke Frauen: Fatima Mernissi






