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"Meine Oma war meine wichtigste Bezugsperson", sagt Martina Böhmer, wenn sie sich an ihre ersten Lebensjahre erinnert. Sie ist 1959 in Meißen bei Dresden geboren. Als die Mutter in den Westen geht, bleibt die Kleine bei Großmutter und Urgroßmutter, bis sie nachkommen darf.
Als Jugendliche jobbt Martina im Westen in Gaststätten und Fabriken. Dann bekommt sie Kontakt zur Frauen und zur Friedensbewegung und eröffnet mit Freundinnen eine Frauenkneipe. Als die nicht läuft, macht Martina eine Umschulung zur Altenpflegerin und findet so ihren "Traumjob". Alte Frauen sind ihr nah, sagt sie. Sie mag ihre Geschichten, ist von ihrer Ausstrahlung fasziniert. Martina Böhmer findet heraus, dass die Pflege ihr Ding ist, die Bedingungen in manchen Pflegeheimen aber schockieren sie. Sie hört genauer hin, wenn die Seniorinnen von ihren Ängsten berichten, versucht herauszufinden, warum manch' eine zurückschreckt, wenn sie gewaschen oder untersucht werden soll.
Sie kritisiert, dass einzelne Pfleger und Pflegerinnen den Willen der ihnen anvertrauten alten Frauen ignorieren, ihr Schamgefühl verletzen, indem sie sie zum Beispiel bei der Morgentoilette nackt auf dem Stuhl sitzen lassen. Sie recherchiert, schreibt ein Buch über "Die Erfahrungen sexualisierter Gewalt in der Lebensgeschichte alter Frauen" und verliert prompt ihre Arbeit. "Altenpflegerin bleibe ich trotzdem" sagt sie heute und gibt ihr Wissen in Vorträgen weiter.
Autor/in:
Monika Mengel
Starke Frauen: Martina Böhmer, Altenpflegerin





