Job weg

- Verunsichert
Job weg, Haus weg: Nevada, das Zentrum der Immobilienkrise
Morgenecho-Serie: US-Wahlen 2012 - Die Stimmung in den Swingstates
Las Vegas im Bundesstaat Nevada ist nicht nur die weltberühmte Spielermetropole in der Wüste, sondern sie ist auch das Zentrum der amerikanischen Immobilienkrise. Der Großraum Las Vegas hält viele traurige Rekorde: Die meisten zwangsversteigerten Häuser, der größte Wertverlust bei Immobilien, die höchste Arbeitslosigkeit.
Von Anna Engelke

- Einsam und verlassen
Ein Windspiel über der Eingangstür eines unbewohnten Hauses dengelt einsam im Wind hin und her und verstärkt den trostlosen Eindruck in dieser Neubausiedlung im Norden von Las Vegas. Einen Steinwurf von hier entfernt: die Wüste Nevadas. In der anderen Richtung: die großen Kasinos. Las Vegas - das war bis zur Häuserkrise im Jahr 2007 die am stärksten boomende Region in den USA.
Aber dann sei alles zum Stillstand gekommen, erklärt Jeremy Aguero, ein Grundstücksanalyst. Die Immobilienblase platzte. Die Häuser im Großraum Las Vegas verloren ihren Wert, die Hausbesitzer ihre Jobs. Viele konnten die monatlichen Hypotheken nicht mehr zahlen, mussten raus aus ihren Häusern.
12 Prozent Arbeitslosigkeit
"In der Gegend hier sind genauso viele Häuser leer wie bewohnt", erzählt Eddie Eder. Der 33-Jährige lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern um die Ecke des verlassenen Hauses mit dem Windspiel. Eddie hat früher die neugebauten Häuser mit Schwimmbecken ausgestattet. Durch die Immobilienkrise verlor er seinen Job. Fünf Jahre ist das jetzt her.
Die Arbeitslosenquote in Nevada: knapp 12 Prozent, ganze vier Prozentpunkte über dem nationalen Durchschnitt. Die Hälfte der Arbeitslosen sind Bauarbeiter - so wie Eddie: Erst vor wenigen Tagen sei er 33 Jahre alt geworden, sagt er, und er wisse nicht, was er machen soll: "Ich sage das jetzt mit einem Lächeln, aber nachts kommen die Tränen", sagt der Zweimetermann mit dem kahlen Schädel, der locker 140 Kilo auf die Waage bringt und gerade seine dreijährige Tochter knuddelt.

- Wenn sonst?
Es reicht hinten und vorne nicht
Tagsüber kümmert sich Eddie um seine niedliche Tochter. Er nennt sich selbst "Mister Mom", "Herr Mama". Eddies Frau Amanda hat noch einen Job: Angestellte in der öffentlichen Verwaltung. Sie wohnen zur Miete. Das Geld reicht hinten und vorne nicht. "Ein Ende ist nicht in Sicht", sagt Eddie und schüttelt den wuchtigen Kopf. Bei der Präsidentschaftswahl vor vier Jahren hatten Eddie und seine Frau ihr Kreuz beim Republikaner John McCain gemacht, wegen der Waffengesetze, erklärt Eddie. Er hatte damals die Sorge, dass die Demokraten sein Recht auf Waffenbesitz beschneiden könnten. Der Präsident hat das nicht getan. Er hat Eddie sogar besucht. Wie der Zufall es wollte, hatte Obama vor einem Jahr eine Veranstaltung direkt vor Eddies Haus. "Er hat meine Tochter umarmt, meinem Sohn die Hand geschüttelt. Das hat sonst niemand gemacht. Er tut, was er kann", erinnert er sich.
Obama – das kleinere Übel
Es ist aber nicht die Präsidentenumarmung alleine, die Eddie und seine Frau Amanda überzeugt hat. Sie wählen jetzt Obama. "Wegen der kleinen Dinge, die mich betreffen und die Mitt Romney streichen will", fügt der arbeitslose Bauarbeiter hinzu.
Dank Obamas Gesundheitsreform muss Amanda jetzt zum Beispiel nichts mehr für die Pille zahlen. Ersparnis: etwa 70 Dollar im Monat. Weder Amanda noch Eddie sind große Obama-Enthusiasten, aber für sie ist der Präsident das kleinere Übel. Laut Umfragen sieht das die knappe Mehrheit der Wähler in Nevada ähnlich.
Serie (Teil 3) Engelke - Nevada, das Zentrum der Immobilienkrise
Stand: Oktober 2012




