Donnerstag, 20.06.2013

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Briten

Bild: Prinzessin Anne mit Soldatin verabschiedet sich; Rechte: dpa
Endgültiger Abschied

Goodbye, Germany? Die britische Armee in Ostwestfalen

Morgenecho-Serie: Der Krieg vor der Haustür. Wie sich NRW an militärischen Konflikten beteiligt

2020 - das ist der Termin, den sich die Briten gesetzt haben, um ihre Truppen aus Deutschland abzuziehen. Die ersten Einheiten wurden schon verlegt, aber immer noch sind allein in Nordrhein-Westfalen etwa 10.000 Soldaten stationiert – und viele davon leben hier mit ihren Ehepartnern und Kindern. So wie Nicole und Alex Avis aus Ostwestfalen-Lippe.

Von Manfred Schumacher


Bild: Weihnachtsmarkt Paderborn; Rechte: WDR/Ralph Lueger/Lueger, Ralph
Klare Tradition

Ein Schaufensterbummel durch die Innenstadt und anschließend ein Glühwein – Den Paderborner Weihnachtsmarkt lassen sich Nicole und Alex Avis nur selten entgehen. „Wir sind Weihnachtsmarkt und Libori-Hardcore Fans, auch in der Zeit, als wir in Herford waren, immer in Paderborn Weihnachtsmarkt besucht“, sagt Alex. Und sie treffen sich hier auch gern mit Freunden. Seit über 20 Jahren schon ist der britische Unteroffizier an verschiedenen Standorten in Deutschland stationiert. Und seit ein paar Wochen ist Avis auch wieder in Paderborn – zum zweiten Mal nach 2007. Seine Frau Nicole hat er vor vielen Jahren in Dortmund kennengelernt. Die ständigen Umzüge machen der gebürtigen Bochumerin nichts aus, sagt sie.

Die Familie Avis wohnt heute mit ihren zwei Kindern in Detmold. Die Armee hat ihr dort eine Doppelhaushälfte zur Verfügung gestellt. In der Regel wohnen bei den britischen Streitkräften nur die ledigen Soldaten in der Kaserne. Wer verheiratet ist, bekommt eine Unterkunft in ganz normalen Wohngebieten.


Bild: Britische Parade durch Hameln; Rechte: dpa/Holger Hollemann/jol001
Abschied auf Raten

Schwieriger Abzug

Wie lange allerdings sein Aufenthalt in Deutschland noch dauern wird, weiß Alex Avis nicht. Natürlich kennt auch er die Abzugspläne des britischen Verteidigungsministeriums. Er weiß, dass erste Kasernen in Münster und Osnabrück schon geschlossen wurden. Und die britische Armee hat bereits angekündigt, dass sie im nächsten Jahr den Standort Rheindalen mit etwa 500 Soldaten aufgeben will. Aber konkrete Informationen über den weiteren Zeitplan gibt es bislang kaum. Michael Whitehurst, Sprecher der britischen Armee in Deutschland, bittet um Verständnis dafür – und um Geduld. „Der politische Marschbefehl ist 2020“, sagt er. "Alles andere ist noch unbekannt, nicht nur die Soldaten müssen verlegt werden, auch die Familien sind betroffen, die ganze Infrastruktur - das ist sehr komplex."

Bis all diese Fragen geklärt sind, geht jedoch in den meisten Kasernen der ganz normale Übungsbetrieb weiter. Bis zum Frühjahr, glaubt Whitehurst, wird der Abzugsplan wohl fertig sein. Und dann könnten endlich auch die betroffenen Städte über Details informiert werden. Rund 10.000 britische Soldaten und weitere 15.000 Familienangehörige leben in Nordrhein-Westfalen. Die größten Einheiten der britischen Armee sind in Herford und Bielefeld stationiert, aber vor allem auch in Gütersloh und Paderborn.

Besorgte Kommunen

In den Rathäusern dort wartet man deshalb mit Spannung auf die weiteren Pläne. Fünf Kasernen haben die britischen Streitkräfte derzeit allein in Paderborn. Und Bürgermeister Heinz Paus sucht mit der Stadtverwaltung schon seit Monaten nach neuen Nutzungskonzepten für die Zeit nach den Briten. "Wir haben hier 350 ha Kasernen-Flächen", so Paus. "Die kleine Kasernen sind nicht das Problem, aber zum Beispiel der Stadtteil Sennelager wird zu einem Drittel von den Briten genutzt, das Gewerbe ist seit 100 Jahren vom Militär geprägt. Das ist schon eine gewaltige Herausforderung."


Bild: Stadion mit BVD_Choreographie; Rechte: WDR/imago sportfotodienst/imago sportfotodienst/12060016
Grund zu bleiben

Außerdem belegen die britischen Soldaten mit ihren Familien auch in Paderborn rund 1.500 Wohnungen, die nach einem Abzug frei würden. Weil aber die Einwohnerzahl der Stadt voraussichtlich in den nächsten 20 Jahren weiter steigen wird, sieht Bürgermeister Heinz Paus für die Häuser gute Vermarktungschancen. Das bestätigen auch Beispiele aus Osnabrück und Münster. Problematischer sind für ihn die indirekten Folgen des Truppenabzugs. "Das sind 9.500 Bürger", sagt er. "Es geht um ein Stück Internationalität, um Kaufkraft, Freundschaften, aber auch um Investitionen in den Kasernen. Hier wurde allein zum Beispiel ein Trainingszentrum für mehrere Hundert Millionen Euro gebaut."

Studenten statt Soldaten?

Die Stadt hofft nun zumindest, dass die Briten nicht alle zusammen, sondern nach und nach aus Paderborn abziehen. So dass die Stadt Zeit bekommt, um aus den Kasernen etwa Gewerbegebiete zu machen oder um Unterkünfte der Soldaten zum Beispiel zu Studentenwohnungen umzubauen.

Einige Häuser allerdings werden wohl auch in Zukunft fest in britischer Hand bleiben. Denn viele Soldaten, die seit Jahren in Deutschland leben, haben hier inzwischen ihr neues Leben aufgebaut – auch privat. Und nicht nur Alex Avis würde am liebsten nach seiner Militärzeit einfach hier bleiben. "Ich fühle mich hier wohl!", sagt er. "Mein Wunsch ist, meinen Ruhestand in Deutschland zu verbringen. Hier haben wir Freunde und außerdem: Ich bin schon seit 1989 BVB-Fan!"


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Serie (Teil 5) Schumacher - Goodbye, Germany?



Stand: Dezember  2012




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