Donnerstag, 24.05.2012

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Spendengelder

Bild: Plakat mit Spendenaufruf "Haiti"
Gut angelegt?

Haiti – was ist aus den deutschen Spendengeldern geworden?

Morgenecho-Serie: Ein Land auf Stand-by – Haiti zwei Jahre nach dem Erdbeben  

Von Martin Polansky

230 Millionen Euro haben die Deutschen für die Erdbebenopfer in Haiti gespendet. Nach Tsunami und Elbeflut angeblich das drittgrößte Aufkommen überhaupt. Zwei Jahre nach dem Beben stellt sich die Frage: Wo ist das Geld hingegangen? Haben die Spendengelder etwas bewirkt?


Kinder; Rechte: dpa
Hilfe für Kinder

Ein Kinderzentrum in einem Zeltcamp von Port-au-Prince: Die Kindernothilfe aus Deutschland hat es mit Spendengeldern finanziert, die nach dem Erdbeben am 12. Januar 2010 eingegangen sind. Vormittags werden hier Kleinkinder aus der Gegend betreut, wie die Leiterin Ghislaine Alvarez erklärt: „Wir arbeiten an der Tafel und bringen den Kindern lesen und schreiben bei. Wir spielen mit ihnen und stellen ihnen dafür das Material zur Verfügung.“
 
Etwa 230 Millionen Euro haben die Deutschen nach dem Erdbeben in Haiti an Hilfsorganisationen gespendet. Soviel gab es selten. Ein großer Teil floss in die unmittelbare Nothilfe, mit Erfolg: Direkt nach der Katastrophe wurden Hunderttausende vor dem Verhungern oder Verdursten gerettet und konnten medizinisch betreut werden.


Mann zieht Karre mit Kisten; Rechte: dpa
Erschwerter Aufbau

Hoffnung weicht Ernüchterung
 
Und dann war da auch noch eine andere große Hoffnung: Haiti, das vor dem Erdbeben das ärmste Land der westlichen Hemisphäre gewesen war, sollte wieder aufgebaut werden und die Situation sollte besser werden, als vor der Katastrophe. Aber zwei Jahre später ist Ernüchterung zu spüren, diese Hoffnung habe sich relativiert, sagt Katja Anger von der Kindernothilfe: „Wir müssen mit der Realität vor Ort arbeiten und soweit wie möglich versuchen, die schlimmsten und akutesten Probleme zu lösen.“

Immer wieder stehen in diesem Zusammenhang auch die haitianischen Behörden in der Kritik. Sie waren nach dem Beben nicht handlungsfähig, Gebäude lagen in Trümmern, viele Mitarbeiter starben. Und auch die Regierung zeigte sich über Monate wie gelähmt. In diese Lücke sprangen Hilfsorganisationen und Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt.


Hilfe als lukratives Geschäft


Nicht nur Spendengelder wurden in Haiti eingesetzt, es gibt auch zahlreiche internationale Fördertöpfe für den Wiederaufbau des Landes. Daher ist Haiti lukrativ für Helfer: Gregor Werth von der Organisation „Help“ erinnert sich gut daran, wie er drei Tage nach dem Erdbeben nach Haiti kam und über den Ansturm der Hilfsorganisationen staunte: „Schon nach wenigen Tagen sind hier Autos von Organisationen herum gefahren, von denen ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehört habe und ich habe mich gefragt: ‚Wer sind die? Was machen die? Und was wollen die hier machen?’“


Bild: DRK
Spenden aufgebraucht

Was kommt nach der Nothilfe?
 
Die Organisation Help hat inzwischen rund 700 so genannte „T-Shelter“ gebaut, Übergangshäuser für Haitianer, die vorher in Obdachlosencamps gelebt haben. Aber die Spendengelder werden in absehbarer Zeit zur Neige gehen. So hat die „Aktion Deutschland hilft“ bereits drei Viertel der Spenden eingesetzt, das DRK beinah alles.
 
Daher seien die Fördertöpfe der Regierungen, von EU oder UN umso wichtiger, sagt Gregor Werth von „Help“. Denn der eigentliche Wiederaufbau gehe erst jetzt richtig los: „Es bewegt sich etwas“, hat er beobachtet und nennt Straßenbau und infrastruktuelle Maßnahmen als Beispiele. „Auch der Schutt wurde weg geräumt und die Aufräumarbeiten laufen an“, sagt er. Natürlich könne man sagen, das sei lächerlich, zwei Jahre nach dem Erdbeben hätte das schon längst passieren müssen, „aber dann fängt es eben jetzt an", fügt er hinzu.
 
Auch die Kindernothilfe will vor Ort bleiben, es gibt genug zu tun. Die Organisation baut eine Schule und will weitere Betreuungsangebote finanzieren. Die Hilfe sei erfolgreich, sagt Katja Anger. Für viele tausend Kinder habe man etwas tun können, Einzelschicksale verbessert. Auch wenn die Gesamtlage in Haiti schwierig bleibe und die Grenze dessen, was Hilfsorganisationen vor Ort leisten könnten, erreicht sei: „Unsere Aufgabe ist es nicht, die Arbeit der staatlichen Stellen zu übernehmen, sondern sie soweit wie möglich zu unterstützen. Was die Menschen auch in Deutschland verstehen müssen ist, dass die Probleme dieses Landes so komplex sind und es so viele Hürden gibt, dass ein Wiederaufbau einfach seine Zeit braucht.“


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Stand: Januar 2012




Ein Mädchen bläst in eine Trompete (Rechte: dpa)

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