U-Bahn

Bild: Kölner Stadtarchiv nach den Einsturz. Rechte: WDR/dpa/Berg, Oliver/koe118
Unverantwortlich

Menschen sterben - Der Betrug bei der Kölner U-Bahn

Morgenecho-Serie: Apokalypse Bau: Das Drama auf deutschen Großbaustellen

Am 3. März 2009 stürzte in Köln das Stadtarchiv ein, zwei Menschen starben unter den Trümmern, dutzende Anwohner wurden obdachlos. Mehr als drei Jahre nach dem Einsturz wurde niemand für die Schlampereien an der U-Bahn-Baustelle zur Verantwortung gezogen. Eine bessere Kontrolle bei öffentlichen Bauten wurden gefordert, und das nicht nur in Köln - doch passiert ist bisher nicht viel.

Von Frank Überall


Bild: U-Bahn Baustelle von oben. Rechte: dpa
Überblick verloren?

Wer privat ein Haus baut oder auch nur etwas in seiner Wohnung reparieren lässt, sollte den Handwerkern genau auf die Finger schauen. In bürokratischen Großorganisationen ist das oft nicht der Fall. So durften die Kölner Verkehrsbetriebe den Bau ihrer neuen U-Bahn-Linie ohne große staatliche Einmischung selbst kontrollieren. Dabei ist offenbar einiges schief gelaufen: Stabilisierende Stahlbügel wurden abgerechnet, aber nicht eingebaut. Unterirdische Wände wurden schlampig eingebaut, Bauprotokolle sollen zur Vertuschung gefälscht worden sein. Welche dieser Verfehlungen für den Archiveinsturz verantwortlich war, wird noch ermittelt. Die Folge aber ist dramatisch: Bei dem Unglück sind immerhin zwei Menschen ums Leben gekommen: Ein 17-jähriger Bäcker-Lehrling und ein 24-jähriger Design-Student. Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters fordert deshalb Konsequenzen: Eine bessere Kontrolle bei öffentlichen Bauten, und das nicht nur in Köln. Gerade bei sicherheitsrelevanten Großvorhaben, dürften die Kontrollaufgaben nicht privatisiert werden, meint Roters.

Mangelhafte Kontrolle bei öffentlichen Bauvorhaben

Schon die schwarz-gelbe Landesregierung in NRW hatte das Problem der mangelhaften Kontrolle öffentlicher Bauten direkt nach dem Archiveinsturz erkannt. Im Bundesrat startete sie eine Initiative zur Verschärfung der entsprechenden Gesetze. Die rot-grüne Landesregierung setzt sich immer noch dafür ein, bisher aber ohne Erfolg. Andere Bundesländer mauern. Arndt Klocke, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Düsseldorfer Landtag hofft, „dass es ein Umdenken gibt, auch bevor schlimme Ereignisse eintreten.“ Bayern und andere Bundesländer müssten ihren Widerstand aufgeben.


Bild: Die neue U-Bahn-Haltestelle am Breslauerplatz. Rechte: wdr/ zanettini
Resümee

Niemand wurde zur Verantwortung gezogen

Weil die Verantwortlichkeiten bis heute nicht geklärt werden konnten, wurde mehr als drei Jahre nach dem Einsturz bisher niemand für die Schlampereien an der U-Bahn-Baustelle bestraft. Auch personelle Konsequenzen wurden nicht gezogen – nur der zuständige Technikvorstand musste nach einigem politischen Gerangel seinen Hut nehmen. Viele im Kölner Rathaus meinen, bei den Kölner Verkehrsbetrieben und den privaten Baufirmen habe es keine klaren Kompetenzen gegeben. Die Kontrolle sei auf der Strecke geblieben. Dabei gab es für das kommunale Unternehmen ein Vorbild in Sachen Überwachung: Denn bei der Stadtverwaltung in Köln hatte man bereits nach ersten großen Korruptionsfällen in den 90er Jahren Konsequenzen gezogen und die Kontrollen verschärft. Seitdem rücken amtliche Prüfer zu Überraschungsbesuchen auf städtischen Baustellen aus. Der jeweilige Kontrolleur überwacht unter anderem, ob die richtigen, sicheren Materialien eingeplant und bestellt werden – aber auch ob sie dann korrekt eingebaut werden, berichtet Josef Breuer, Anti-Korruptionsbeauftragter der Stadt Köln.

Tür auf für Korruption und Schlamperei

Auf ein solch aufwändiges Prüfsystem haben die Kölner Verkehrsbetriebe beim U-Bahn-Bau offenbar verzichtet. Korruption und Schlamperei wurde damit mutmaßlich Tür und Tor geöffnet, auf Kosten der Sicherheit. Natürlich sind ernst gemeinte Kontrollen teuer. Aber der Kölner SPD-Ratsherr Axel Kaske ist überzeugt, dass diese Ausgaben gut angelegt sind:
„Was ist mir lieber? Ich verliere Millionen durch Korruption – oder ich setze an einer Stelle zwei oder drei Mitarbeiter zu, die das kontrollieren.“ Und so setzt sich bei manchen öffentlichen Bauherren ganz langsam die Erkenntnis durch, was Häuslebauer und Mieter im Umgang mit Handwerkern längst wissen: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist sicherer.


Unsere Audios und Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.adobe.com/go/getflashplayer_de

Serie (2): Apokalypse Bau - das Drama auf deutschen Großbaustellen-Menschen sterben - Der Betrug bei der Kölner U-Bahn



Stand: September 2012




Echo des Tages

Ein Mädchen bläst in eine Trompete (Rechte: dpa)

Was hat heute die Welt bewegt? [mehr]