Liebe

- Berühmte Vorgänger
Liebe und l’amour
Morgenecho-Serie: Deutschland, Frankreich – und Sie?
Deutsch-französische Beziehungen und Ehen gibt es viele. Die binationale Liebe hat ihre ganz eigenen Reize – und Hürden – und macht eigentlich deutlich, wie unterschiedlich vieles in Frankreich und Deutschland gelebt wird, trotz aller Nähe.
Von Daniela Kahls

- Gutes Leben
Im Garten ihres gemütlichen Hauses in Saint-Germain-en Laye, eine Kleinstadt im Großraum Paris, sitzt ein Ehepaar. Im Haus toben die vier Kinder herum. Sieht alles sehr französisch aus – und ist es doch – nicht ganz: Die Cousins sind ein deutsch-französisches Ehepaar. Sie haben sich in Heidelberg kennengelernt. Jerome hatte dort seinen ersten Job für ein deutsches IT-Unternehmen angenommen, Sabine lag in den Endzügen ihres Jura-Studiums.
Glücklicherweise war Jerome schon einige Zeit in Deutschland, als er Sabine kennenlernte. Denn es hat für ihn eine Weile gedauert, bis er deutsche Frauen verführerisch fand, gibt er mit einem Schmunzeln zu: „Seien wir ehrlich: Als ich in Deutschland ankam, war die Vorstellung, eine deutsche Frau zu heiraten, keine Option – das war unvorstellbar!“
Strenge Schwiegereltern
Bei Sabine sah das ganz anders aus: „In meinem Kopf war immer schon klar: Falls ich jemals heiraten würde, dann eigentlich nur einen Franzosen“, erzählt sie. Sabine hatte schon immer eine Affinität zu Frankreich. Urlaube, Schüleraustausch – die Schwäbin kannte das Nachbarland schon gut, bevor sie auf Jerome stieß.

- Mon Dieu!
Doch als sie dann in Jeromes Familie eingeführt wurde, war das noch einmal etwas ganz anderes: „Vieles war ein Flash-Back in die Generation meiner Großeltern!“ Als sie schon standesamtlich verheiratet waren, war es beispielsweise undenkbar, dass Jerome und Sabine in einem Zimmer schliefen, als sie zu Gast bei den französischen Schwiegereltern waren. Und auch heute noch siezt Sabine ihre Schwiegereltern.
Prüde Franzosen?
Daniel und Magalie sind ein anderes deutsch-französisches Paar. Auch Daniel und Magalie sind in ihrem Beziehungsleben schon auf unterschiedliche Umgangsformen gestoßen. Daniel erzählt: „Wenn man ins Fitnessstudio geht, zum Tennis oder zum Squash und man duscht sich anschließend in der Männer-Umkleide: Die Männer haben hier alle Badehosen an. Das ist unheimlich prüde hier!“
Und wo Daniel sich in der Öffentlichkeit schon so bedecken muss, wollte er wenigstens in der privaten Wohnung nach der Dusche so herumlaufen, wie Gott wie ihn schuf. Für Magalie ein kleiner Schock: „Ich hab gesagt: Mach die Vorhänge zu, wenn Du zur Dusche gehst! Was sollen die Nachbarn denken… Das war schon ein kleiner Unterschied.“

- Feiern - aber wann?
Knackpunkt Weihnachten
Ein größerer Knackpunkt bei den meisten deutsch-französischen Paaren ist das Thema Weihnachten. „Das große Thema war: Wann feiern wir Weihnachten – am 24. oder 25.?“ erzählt Magali. „Die deutsche Seite hat gewonnen – wir feiern am 24. abends!“
Auch bei den Cousins wird Weihnachten nach der deutschen Tradition gefeiert. Jerome hat eingelenkt, weil seine Familie ja schon in seinem Heimatland lebt.
Die Fallstricke einer deutsch-französischen Beziehung liegen oft im Detail, erzählt Sabine: „Ganz banales Beispiel: Ich koche ein schönes Abendessen und dann frage ich: ‚Schmeckt’s?’ und mein Mann antwortet: ‚Oui, pas mal…“ – also auf deutsch übersetzt ‚Nicht schlecht, gerade so essbar…’ – am Anfang war ich total beleidigt und dachte: Was denkt der sich denn da…“
Doch Jerome hat das gar nicht negativ gemeint. Im Gegenteil, er wollte loben, betont er. „Der Ton spielt da eine große Rolle!“
Solche kleinen Missverständnisse gehören auch heute noch zum Alltag von Jerome und Sabine und Daniel und Magalie. Eine binationale Ehe zu führen, das sorge immer für Reibung, erzählen sie und fügen lächelnd hinzu: es sei aber auch immer ein besonderes Geschenk.
Serie (Teil 1) Kahls - Liebe und l'amour
Stand: September 2012




