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"Wir brauchen harte Kriterien"
Interview mit Barbara Steffens, NRW-Gesundheitsministerin von Bündnis 90/Die Grünen
Moderation: Thomas Schaaf
Nach dem Organspendeskandal wächst der Druck auf Bundesärztekammer, Kliniken und Bundesregierung, mit Reformen Vertrauen in der Bevölkerung zurückzugewinnen. Darum hat Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) für diesen Montag ein Spitzentreffen einberufen, um über Konsequenzen und weitere Maßnahmen zu beraten. Im Morgenecho-Interview auf WDR 5 fordert NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen) "einheitliche und nachvollziehbare" Kriterien für die künftige Vergabe von Organen.
In der Diskussion um die Organspende fordert die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis 90/ Grüne) Änderungen bei der Schnellvergabe von Organen an den Wartelisten vorbei. Die Kriterien müssten transparent, nachvollziehbar und einheitlich sein, fordert Steffens im Morgenecho-Interview auf WDR 5. Derzeit könnten viele Kriterien willkürlich festgelegt werden und der Arzt könne "nach seinem Empfinden" entscheiden. "Solange das so ist, haben wir ein manipulationsanfälliges System", warnt die Ministerin.
Als Konsequenz aus den Transplantationsskandalen in Göttingen und Regensburg plädiert sie im gesamten Organspendeverfahren für "harte Kriterien", die sich auch durch Akteneinsicht kontrollieren und nachvollziehen lassen. Ob die Spende und Verteilung von Organen weiterhin von Medizinern und Krankenkassen in einer Selbstverwaltung organisiert wird oder ob das Verfahren stattdessen in staatliche Hände gelegt wird, hält Steffens für zweitrangig. Es müsse vor allem über das "Wie" der Kontrolle geredet werden, sagt sie.
Staatliche Kontrolle?
So hatte beispielsweise die Deutsche Hospiz Stiftung gefordert, das ganze Organspende- und Verteilungssystem in staatliche Hände zu legen. NRW-Gesundheitsministerin Steffens hält davon nichts: "Ich glaube, dass wir als Staat nicht in der Lage sind, darüber zu entscheiden, welcher Patient jetzt so lebensbedrohlich erkrankt ist, dass er ein Organ bekommt oder nicht. Das müssen Mediziner entscheiden, das können wir nicht!"
Sehr wohl müsse aber gemeinsam mit Medizinern über die Kriterien beraten werden, nach denen Organe vergeben werden. Dabei sollten nach Steffens Ansicht drei Aspekte geprüft werden: eine Einführung des Sechs-Augen-Prinzips für alle Transplantationen, bessere Stichprobenkontrollen in den Kliniken und eine "manipulationssichere Gestaltung" der Akten.
Gesunkene Spendenbereitschaft
Nach Bekanntwerden der Vorfälle in den Unikliniken in Göttingen und Regensburg zeigten Umfragen eine gesunkene Spendebereitschaft. Ärzte, Krankenkassen und Kliniken hatten bereits nach einem ersten Krisentreffen angekündigt, das Vertrauen mit mehr Transparenz und schärferen Kontrollen zurückgewinnen zu wollen. Bundesgesundheitsminister Bahr hatte angekündigt, dafür mögliche Gesetzeslücken schließen zu wollen.
Redaktion:
Esther Hartbrich
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