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"Mehr Massentierhaltung, mehr Probleme"
Interview mit Bärbel Höhn, stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag
Moderation: Andrea Oster
Medikamente in der Fleischproduktion können für Menschen gefährlich werden. Die Regierung will darum mithilfe einer Datenbank überwachen, wie viele Antibiotika den Tieren verabreicht werden. Die Grünen bezweifeln den Sinn des neuen Gesetzes. Warum, erklärt Bärbel Höhn, stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen, im Interview mit dem WDR 5 Morgenecho.
Höhn sagt, dass es nicht ausreiche, Daten zu sammeln, wie Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) es mit der neuen Datenbank tun will. "1.734 Tonnen Antibiotika im Tierbereich ist eine gigantische Zahl. Und seit 2005 hat sie sich verdoppelt." Die Grünen-Politikerin begrüßt es, dass Daten zentral gesammelt würden, fragt aber, wann tatsächlich eingegriffen werde. Im neuen Gesetz sei "kein Reduktionsziel vorgegeben". Das bedeute, dass erst eingegriffen werde, "wenn ein Tierhalter mehrfach über dem Durchschnitt gelegen hat". Bis Grenzwerte effektiv reduziert würden, "ist es noch eine lange Strecke". In Dänemark und Holland werden laut Höhn die Antibiotika-Mengen konkret reduziert.
"Regierung treibt Fleischproduktion nach oben"
Höhn kritisiert, dass Ministerin Aigner darauf setze, "dass die Länder ordentlich kontrollieren sollen", anstatt selbst aktiv zu werden. Sie betreibe eine Landwirtschaftspolitik, "die die Produktion von Fleisch nach oben treiben" wolle. Dies bedeute "mehr Massentierhaltung, mehr Probleme". Laut Höhn werden in Deutschland bis zu 90 Prozent der Tiere in Mastställen mit Medikamenten, mit Antibiotika während ihrer Lebenszeit behandelt. "Da müsste man eigentlich dran gehen." Man müsse zum Beispiel sagen, dass "diese irrsinnigen Ziele nicht gehen, dass Deutschland die Welt mit Billigschnitzel versorgt." Die negativen Auswirkungen wie Antibiotika-Nutzung und Maismonokultur würden immer schlimmer, so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag.
"Krankes System"
Höhn fordert, dass man neben der Datenbank die Preise der Antibiotika verändern müsse. Derzeit gebe es ein Rabattsystem: "Je mehr man abnimmt, desto billiger werden sie. Das müsste man verteuern." Die Umweltpolitikerin sagt, dass "in wesentlichen Teilen die Antibiotika als Mastverstärker eingesetzt" würden. In Nordrhein-Westfalen sei es so, dass die Bauern sie selbst vergäben. Auf die Erreger werde nicht getestet, "der Tierarzt kommt in der Regel gar nicht." Andernfalls, so Höhn, müsste es der Fall sein, dass alle Tiere krank seien. "Dann wäre das ein krankes System."
Höhn möchte dagegen ein "gesundes System". Sie wolle nicht, "dass immer mehr Menschen auf den Intensivstationen der Krankenhäuser das Problem bekommen, dass es multiresistente Keime gibt und kein Antibiotikum mehr dagegen wirkt".
Redaktion:
Golo Schmidt
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