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Rechts im Bild: Helmut und Hannelore Kohl beim Rudern
Sendung vom 20.07.2012, 06:05 bis 08:55 Uhr
Eine Erzieherin spielt mit Kindergartenkindern; Rechte: dpa

 Zu wenig Erzieherinnen

Sechs, setzen!

Ein Kommentar von Lioba Werrelmann, Studio Berlin

Was verdient eigentlich eine Erzieherin? Im Schnitt sind es 1.700 Euro brutto. Ein Mini-Gehalt für einen anspruchsvollen Job. Erzieherin zu sein ist mehr als singen, füttern, Nase putzen. Erzieherinnen sind Tag für Tag einem enormem Lärmpegel ausgesetzt. Sie verbringen einen Gutteil ihres Arbeitstages in der Hocke, sie schleppen die Kinder auf der Hüfte. Aber der Job ist nicht nur körperlich anstrengend. Von Erzieherinnen wird heute verlangt, dass sie die Kinder in jeder Hinsicht fördern. Das sie ihnen nicht nur beibringen, ihre Schuhe zuzubinden, sondern auch, Deutsch zu sprechen, oder, je nach Anspruch der Eltern, Spanisch oder Chinesisch. Seit Jahren klagen Bildungsforscher, dass immer mehr Eltern ihrer Aufgabe, ihre Kinder aufs Leben vorzubereiten, oder sie auch nur anständig zu ernähren, immer weniger gerecht werden. Die ersten, von denen verlangt wird, das auszubügeln, sind die Erzieherinnen. Die typische Erzieherin - Männer gibt es ja kaum in diesem Job - ist eine Frau, die Kinder von Herzen mag. Die ihre Arbeit nicht als Beruf sieht, sondern als Berufung. Die das, was sie am Tag erlebt, abends mit nach Hause nimmt. Die Anteil nimmt am Leben ihrer Schützlinge. Frauen, die ihren Beruf mit solcher Hingabe ausüben, und ohne Hingabe geht es nicht in diesem Job, solche Frauen lassen sich immer noch allzu häufig mit wenig Geld abspeisen. Weil ihnen ihre Arbeit wichtiger ist als der Gehaltszettel. Von solcher Hingabe profitieren die Kinder, aber leider auch die Arbeitgeber. Kirchen und Kommunen zahlen ihren engagiertesten Angestellten nur karge Löhne. Damit muss endlich Schluss sein. Wer Top-Fachkräfte will, muss ihnen mehr bieten als ein Mini-Gehalt. Erzieherinnen brauchen bessere Arbeitsbedingungen, der Personalschlüssel in den Kitas muss erhöht werden. Und Erzieherinnen müssen angemessen bezahlt werden - dann ergreifen auch mehr junge Frauen den Job, womöglich auch Männer, und dann bleiben auch mehr dabei. Denn viele, die als Erzieherin ausgebildet werden, arbeiten später nie als Erzieherin. Die Arbeiterwohlfahrt hat gerade vorgerechnet, dass man 50.000 neue Stellen schaffen könnte - und zwar mit dem Geld, dass die Bundesregierung in den nächsten Jahren für das Betreuungsgeld ausgeben will. Was für eine charmante Idee. Es ist also Geld da, auch für eine bessere Bezahlung. Her damit.

Redaktion:

Bettina Nutz

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