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Rechts im Bild: Helmut und Hannelore Kohl beim Rudern
Sendung vom 19.11.2012, 06:05 bis 08:55 Uhr
Unfall auf A5 am 18.11.12; Rechte: dapd

 Schwerer Verkehrsunfall

Nach der Geisterfahrt auf der A5: Autobahnen sicherer machen

Interview mit Anton Hofreiter (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag

Moderation: Judith Schulte-Loh

Der schwere Geisterfahrer-Unfall am Sonntag (18.11.2012) auf der A5 mit sechs Toten war der vierte Unfall dieser Art innerhalb weniger Wochen. Auch in NRW kamen im Oktober mehrere Menschen durch einen Falschfahrer ums Leben. Die meisten Unfälle mit schweren Folgen passieren dabei auf den Autobahnen. Wie können die verhindert werden? Anton Hofreiter (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag, hält größere, auffälligere Schilder an Auffahrten, wie es sie in Österreich gibt, auch in Deutschland für sinnvoll.

 

WDR 5: Weshalb verursachen Falschfahrer auf den Autobahnen immer wieder tödliche Unfälle?

Anton Hofreiter: Es gibt letztendlich zwei Hauptursachen dafür. Die eine Ursache ist, dass sich die Leute verfahren, insbesondere beim Auffahren auf die Autobahn - also aus Versehen - und dann nicht erkennen, wo sie sind. Und die zweite Hauptursache - und die ist ganz, ganz schwer zu bekämpfen - ist, weil sie auf schreckliche Art gedenken, Selbstmord zu begehen.

WDR 5: Halten Sie die Auffahrten unserer Autobahnen für ausreichend gekennzeichnet? Also wenn wir auf das "Einfahrt verboten"-Schild gucken, das kann man auch schon einmal schnell übersehen.

Anton Hofreiter: Es ist in der Debatte, ob dieses Schild ausreichend groß ist. Es gibt andere Länder, die haben weitaus größere, auffälligere Schilder. Wenn Sie zum Beispiel an Österreich denken, da gibt es riesige gelbe Schilder "Achtung, jetzt sind Sie falsch", die leuchtend grün-gelb sind und mit einem riesigen "Achtung"-Schild. Das ist durchaus in der Debatte, ob es nicht sinnvoll wäre, die entsprechend aufzustellen. Ich halte das für eine sehr sinnvolle Idee, die Beschilderung entsprechend zu verändern. In Österreich geht man auch davon aus, dass diese auffällige Beschilderung etwas geändert hat. Desweiteren gibt es Techniken mit so einer Art Fangkrallen: Wenn man falsch auf die Autobahn auffährt, gehen die Reifen kaputt und man wird deshalb automatisch gestoppt. Aber wir haben mehrere Tausend Autobahnauffahrten. Und das dürfte sehr, sehr lang dauern, die umzubauen.

WDR 5: Weshalb haben die Österreicher eigentlich schon so lange ein effektives System, was relativ einfach umzusetzen ist - und wir nicht?

Anton Hofreiter: Ich glaube, das liegt daran, dass bei uns immer die Argumentation ist: Die Autobahnen sind ja die sichersten Straßen. Das ist auch eines der Probleme, warum wir kein Tempolimit haben. Und da wird immer die Autobahn mit der Landstraße verglichen. Natürlich ist die Landstraße gefährlicher durch den Begegnungsverkehr und den Mischverkehr. Und so wird immer dagegen argumentiert und gesagt, die deutsche Autobahn ist eh schon so sicher. Dabei sollte man eine Autobahn nicht mit einer Landstraße vergleichen, sondern eine Autobahn mit einer sehr gut gesicherten Autobahn. Es ist das gleiche, warum wir beim Tempolimit gegen die Wand laufen, das auch etwas helfen würde bei anderen Unfällen. Da zieht sich sozusagen die herrschende Politik etwas darauf zurück. Dabei könnten wir mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen die Autobahn - auch wenn sie schon im Verhältnis sicher ist - noch viel sicherer machen. Letztendlich ist jeder Tote, jeder Schwer- und Schwerstverletzte einer zuviel.

WDR 5: Weshalb können Sie sich im Verkehrsausschuss nicht mehr durchsetzen? Weshalb muss es diese katastrophalen Unfälle geben, damit es tatsächlich wieder so auf die Tagesordnung kommt? Obwohl man in Österreich schon ein so gutes Warnsystem hat, denkt man dort sogar noch weiter. Man erwägt elektronische Erfassung von Falschfahrern, damit die schneller identifiziert und die Warnung an andere Fahrer weiter gegeben werden kann. Da scheint Sicherheit eine viel höhere Priorität zu haben als bei uns.

Anton Hofreiter: Es liegt auch daran, dass sich in verschiedenen europäischen Ländern die Staaten ein Programm gegeben haben, das heißt "Vison Zero". Also die Überlegung, dass es auch im Straßenverkehr möglich sein sollte, dass man am Ende Richtung null Verkehrstote kommt. So, wie das vor vielen, vielen Jahrzehnten die Überlegung im Arbeitsschutz war, wo man ursprünglich auch dachte, das erreicht man nie. Man hat es auch nicht ganz erreicht, aber es hat zu einer ganz anderen Sicherheitsphilosophie geführt. Es ist exakt in Deutschland leider alles etwas am Anfang. Man hat auch die Überlegungen von Verkehrssicherheit relativ stark als Utopie abgetan. Eines der zentralen Argumente ist: Die deutsche Autobahn ist doch eh schon so sicher.

Das Interview führte Judith Schulte Loh.

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