Donnerstag, 24.05.2012

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Rechts im Bild: Helmut und Hannelore Kohl beim Rudern
Sendung vom 19.08.2011, 06:05 bis 08:55 Uhr
Bild: Ein Arbeiter nimmt Schweißarbeiten an einem verzinkten Rohr vor, aufgenommen am 13.1.2004 in München. Rechte: dpa

 Vorzeigemodell

Leiharbeit mal anders

Reportage von Silvia Bose, Bielefeld

Moderation: Andrea Oster

In Ostwestfalen-Lippe ist die Zahl der Leiharbeiter im vergangenen Jahr um 50 Prozent auf mehr als 23.000 gestiegen. Häufig verdienen Leiharbeiter für gleiche Arbeit deutlich weniger als ihre festangestellten Kollegen. Doch es gibt auch ein positives Beispiel für Leiharbeit: Die REGE, ein Netz kommuanler Verleiher in Bielefeld und Umgebung. Was macht dieses Unternehmen anders als andere Zeitarbeitsfirmen?

Autor/in:

Silvia Bose

Redaktion:

Rüdiger Maack

Das Manuskript des Beitrags

„Ich hatte bisher ein Bild von der Zeitarbeit, dass es nur über ein, zwei Wochen geht, heute hier und morgen da. Und von der Bezahlung eben auch geringfügig war – was man so gehört hat. Und als ich das von der „Rege“ gehört habe, war ich eigentlich angenehm überrascht.“

Gabriele Strathmann war länger als ein Jahr arbeitslos. Jetzt hat die 54 Jahre alte Buchhalterin wieder einen Job. Dank Zeitarbeit. Die Bielefelder Personalentwicklungsgesellschaft GmbH – „kurz Rege“ – hat Gabriele Strathmann entliehen und bezahlt sie nach dem Tarifvertrag ihrer festangestellten Kollegen. Die „Rege“ ist ein städtisches Tochterunternehmen. Mit Zeitarbeit Profit machen – darum geht es hier nicht. Und das unterscheidet die „Rege“ ganz klar von anderen Zeitarbeitsfirmen, erklärt Angelika Eisbrenner.

„Wir arbeiten natürlich mit der Zielsetzung, von Arbeitslosigkeit bedrohten oder bereits betroffenen Bielefelder Bürgerinnen und Bürgern langfristige und auskömmliche Beschäftigungsperspektiven zu bieten. Das bedeutet, dass die Stadt Bielefeld Kosten der Unterkunft sparen kann.“

Die Stadt spart also durch die fairen Löhne. Die „Rege“ trägt sich selbst, darf aber keine Gewinne machen. Durch den Tariflohn ist die kommunale Zeitarbeitsfirma teurer als die gewerblichen, weiß Angelika Eisbrenner. Trotzdem sieht sie viele Vorteile für ihre 200 Kunden.

„Für Untenehmen rechnet es sich. …Unsere Mitarbeiter sind nicht die Mitarbeiter zweiter Klasse, die mit den dort beschäftigten Mitarbeitern in Wettbewerb treten. Die Zusammenarbeit gestaltet sich besser. Und Zahlen wie Krankheitsstand und Fluktuation belegen, dass auch durch motiviertes Personal klare Einsparungen für Unternehmen möglich sind.“

Davon ist auch Jutta Diekmann von den Technischen Werken Osning, einem Energie- und Wasserversorgers im ostwestfälischen Halle, überzeugt. Die Personalchefin des leiht sich schon seit 15 Jahren Mitarbeiter von der „Rege“ – leitende Angestellte, Sachbearbeiter und jetzt auch die Buchhalterin Gabriele Strathmann. Der faire Lohn für Zeitarbeiter ist für Jutta Diekmann nicht allein eine Image-Frage.

„Ein anderer Grund ist aber auch, dass wir ausschließlich fachlich qualifiziertes Personal beschäftigen hier. Die fachliche Qualifikation, die die Mitarbeiter mitbringen – da sind wir schon der Meinung - muss entsprechend entlohnt werden.“

Die Technischen Werke Osning wollen gute Mitarbeiter halten. Auch die Zeitarbeiter. Sie haben über die „Rege“ einen Ein-Jahres-Vertrag. Davon profitiert auch das Unternehmen, sagt die Personalchefin Jutta Diekmann.

„Wir machen das, … um so die tarifliche Probezeit zu verlängern, um uns - sowohl das Unternehmen als auch den Mitarbeitern - mehr Zeit zu geben für die Einarbeitung. Nach zwölf Monaten können dann auch beide Seiten abschätzen: Passt das zusammen.“

Es hat schon oft gepasst. Acht der 50 Beschäftigten haben als Zeitarbeiter im Unternehmen angefangen und sind mittlerweile fest angestellt. So weit will die Buchhalterin Gabriele Strathmann noch gar nicht denken. Sie genießt erst einmal ihren neuen Job und denkt inzwischen anders über Zeitarbeit.

„... zumal mir die gleichen Konditionen zustehen wie normalen Mitarbeitern und Kollegen vom Urlaub her von der Bezahlung her und nicht nur über ein, zwei Wochen, sondern zwölf Monaten und dann werde ich mal sehen wie es weitergeht.“

Vielleicht geht es ja als Festangestellte weiter. Die Chancen stehen nicht schlecht.

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