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Vergewaltigte weggeschickt - ein Missverständnis?
Kommentar von Lothar Lenz
Moderation: Frank Wörner
In Köln haben sich zwei katholische Krankenhäuser geweigert, eine junge Frau zu untersuchen, die Opfer einer Vergewaltigung geworden ist. Die Ärzte fürchteten offenbar einen Konflikt ...
Jetzt soll das alles nur ein Missverständnis gewesen sein? Wer's glaubt, wird selig.
Zwei katholische Krankenhäuser nacheinander verweigern einer offenbar vergewaltigten Frau in Köln jede Behandlung. Das ist vor allem zutiefst unchristlich. Denn es ist das Gegenteil von Nächstenliebe. Von Caritas: Sich kümmern um den Schwächeren.
Strafvereitelung im Amt?
Die Mediziner, die die traumatisierte Frau einfach wieder wegschickten, haben auch gegen ihren Berufseid verstoßen. Denn sie haben das medizinisch Mögliche – eben nicht getan. Dass sie die Frau noch nicht einmal ansehen wollten und damit auch nicht die Spuren eines möglichen Verbrechens sichern konnten, das grenzt schon an Strafvereitelung im Amt.
Wer jetzt zynisch dazwische nruft, die Frau hätte ja auch woanders hingehen können, der verletzt das Opfer ein weiteres Mal: Köln und viele andere Städte werden großflächig versorgt von katholisch geführten Krankenhäusern – wohin sollte sich die Frau denn wenden, wenn nicht an die nächstgelegene Notaufnahme?
Ein Klima der Angst
Warum um alles in der Welt aber haben die beiden Ärzte so gehandelt? Wenn es an den betroffenen Krankenhäusern wirklich keine Dienstanweisung oder Richtlinie oder Handreichung oder was auch immer gab, wie der katholische Träger jetzt behauptet - dann wird dort wohl ein Klima der Angst herrschen, zumindest der Verunsicherung: Wer einer Vergewaltigten hilft, wer sie auch nur hinweist auf die Pille danach - der fliegt.
Katholische Krankenhäuser sind Tendenzbetriebe, sie dürfen so handeln. Mitarbeiter, die gegen die Grundsätze der Kirche verstoßen, riskieren ihren Arbeitsplatz. Und tragen sie auch einen Arztkittel.
Keine Grundversorgung für Opfer von Sexualdelikten
Auch wenn die katholische Kirche gute Gründe hat für ihre kategorische Ablehnung von Verhütung und Abtreibung: Einer vergewaltigten Frau das Trauma einer ungewollten Mutterschaft aufzubürden, das ist vormodern. Männerkirche.
Der Staat muss nach den Kölner Vorfällen die Frage beantworten, ob katholische Krankenhäuser, die vergewaltigten Frauen jede Hilfe verweigern, sich überhaupt für gynäkologische Notfälle eignen. Ich finde: Nein. Katholische Träger sollen Kliniken betreiben nach eigenem Gusto – aber in der Grundversorgung für Opfer von Sexualdelikten haben sie nichts zu suchen.
Redaktion:
Hermann Krause
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