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Rechts im Bild: Helmut und Hannelore Kohl beim Rudern
Sendung vom 15.11.2012, 06:05 bis 08:55 Uhr
Symbolbild; Rechte: dpa

 Steigende Energiekosten

Strompreis steigt wie nie

Interview mit Jürgen Döschner, WDR-Energieexperte

Moderation: Judith Schulte-Loh

Stromversorger, die zum 1. Januar 2013 ihre Preise erhöhen wollen, müssen dies bis heute (15.11.2012) angemeldet haben. Fakt ist, die Tarife steigen so stark wie nie - durchschnittlich um zwölf Prozent. Das liegt aber nicht allein am Ökostrom, sagt der WDR-Energieexperte Jürgen Döschner im Morgenecho-Interview.

 

WDR 5: Herr Döschner, mit wie viel Prozent Preissteigerung müssen die Kunden denn im Schnitt rechnen?

Jürgen Döschner: Nach den Zahlen, die dem Vergleichsportal Verivox bisher vorliegen, sind es knapp zwölf Prozent Preissteigerung zum 1.1. nächsten Jahres. Das ist die höchste Preissteigerung in einem Zug, die es jemals gegeben hat. Die letzte hohe war vor zwei Jahren, da waren es ungefähr sieben Prozent. Aber das ist nicht vergleichbar mit dem, was jetzt auf die Stromkunden zurollt. Die Spanne reicht dabei von 1,8 Prozent bis 19 Prozent. Wenn man das nach Bundesländern gewichtet, sind Bayern und Nordrhein-Westfalen am schlechtesten dran. Die Stromversorger mit den höchsten Zuschlägen kommen aus diesen beiden Ländern.

 

WDR 5: Warum ist das so?

Jürgen Döschner: Man kann nicht so genau nachvollziehen, warum es ausgerechnet in diesen Bundesländern so ist. Aber alle beziehen sich bei der Begründung auf die gestiegene Abgabe durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), also die Cent, die man dafür zahlen muss, dass Sonnen- und Wind-Strom in die Netze eingespeist wird.

 

WDR 5: Werden alle von diesen Preiserhöhungen gleich getroffen sein – Privatkunden, die einen Haushalt haben, genauso wie Unternehmen?

Jürgen Döschner: Nein, das sind Preise, die für die Haushalts-Kunden gelten. Die großen Unternehmen machen in der Regel ohnehin separate Verträge mit den Stromherstellern. Die sind in dieser Angelegenheit gar nicht erfasst.

 

WDR 5: Sie sprachen schon die EEG-Umlage an, als einen Grund, weshalb die Strompreiserhöhung kommt. Ist das der einzige Grund?

Jürgen Döschner: Nein, das ist nicht der einzige Grund. Es gibt eine Reihe von Zulagen, die auf die Verbraucher zukommen. Die EEG-Umlage ist der dickste Brocken mit etwa 1,7 Cent pro Kilowattstunde. Wenn man diese elf, zwölf Prozent insgesamt nimmt, dann sind es 2,8 Cent, die auf den Strompreis pro Kilowattstunde zukommen. Aber da sind neben der EEG-Umlage noch etwa die Netzgebühren, die von verschiedenen Netzbetreibern erhöht worden sind. Das ist auch regional unterschiedlich und wird unterschiedlich begründet: mal mit Netzausbau, mal mit Renovierung. Das kontrolliert die Bundesnetzagentur. Dann kommen aber noch Abgaben dafür dazu, dass manche große Unternehmen von den Netzgebühren insgesamt befreit sind. Das müssen dann wieder die anderen Stromkunden bezahlen. Aber auch solche Dinge wie die Haftungsübernahme für den Netzanschluss von Offshore-Windkrafträder. Da hat die Bundesregierung ja beschlossen, dass die privaten Stromverbraucher dafür haften müssen. Und dazu wird jetzt auch ab dem 1.1. eine besondere Umlage erhoben.

 

WDR 5: Ist das nur der Auftakt für eine weitere Preisrallye, auf die wir uns, was die Strompreise angeht, einstellen müssen?

Jürgen Döschner: Das kann man schwer sagen. Aber man kann sicher sagen, dass das nicht das Ende der Fahnenstange ist. Es wird nicht so sein, dass nach dem 1.1. die Strompreise sinken. Für den großen Brocken, die Erhöhung der EEG-Umlage, ist der 1.1.2013 das wichtige Datum. Es gibt auch Stromversorger, die ihre Preise erst ab dem 1. März erhöhen. Die begründen das dann wieder mit anderen Dingen. Ich denke, dass dann schon noch einiges auf uns zukommt. Zumal ja insgesamt gesagt wird, dass zum Beispiel durch den Ausbau der Netze erhebliche Belastungen entstehen, die heute noch nicht zu berechnen sind.

WDR 5: Was bleibt mir als Stromkunde übrig – abgesehen davon, dass ich mich ärgere, weil ich vielleicht bei einem bin, der die Preise gut erhöht? Wechseln?

Jürgen Döschner: Wechseln ist ein gutes Stichwort. Es hängt immer davon ab, in welchem Tarif ich bin. Es gibt leider sehr viele Menschen, die immer noch nicht wissen, wie viel Strom sie eigentlich verbrauchen. Sie wissen auch nicht, wie viel sie für ihren Strom bezahlen. Aber es gibt auch viele, die mit dem Pfennig rechnen müssen. Da sollte man wirklich mal auf die Stromrechnung schauen. Welchen Tarif habe ich eigentlich? Manchmal kann das 100 oder 150 Euro im Jahr bringen. Das wäre dann im Grunde genommen schon das, was man ab dem 1.1. mehr bezahlen müsste. Eine andere Möglichkeit ist das Stromsparen. Das wird häufig vergessen. Da gibt es auch viele Möglichkeiten. Und die Verbraucherzentrale NRW ruft dazu auf, dass Menschen, die jetzt eine solche Strompreiserhöhung per Brief ins Haus bekommen, diese an die Verbraucherzentrale weitermelden. Dann wird dort die Begründung überprüft. Einfach nur auf die gestiegene EEG-Abgabe zu verweisen, das reicht nicht, sagt die Verbraucherzentrale. Da eröffnet sich vielleicht auch noch ein juristischer Weg.

 

Das Interview führte Judith Schulte Loh.

Redaktion:

Dirk Müller

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