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Rechts im Bild: Helmut und Hannelore Kohl beim Rudern
Sendung vom 14.11.2012, 06:05 bis 08:55 Uhr
Rechte: dpa

 Ein "ewiger" Fan

"In Farben getrennt, in der Sache vereint"

Der Schrägstrich von René Steinberg

Moderation: Andrea Oster

Das Netz hat zur Zeit einen neuen Aufreger. Nämlich die katholische Kirche in Dortmund, die es zunächst nicht gestattet hat, dass ein 9-jähriger Junge, der an einem Gehirntumor gestorben ist – und glühender Fussballfan war, seinen letzten Willen bekommt: einen Grabstein mit BVB-Logo. Denn das entspräche nicht der Friedhofsordnung. Mittlerweile hat man sich geeinigt, aber vorher wehte ein Sturm der Entrüstung durchs Internet und erreicht auch unserem Schrägstrich-Autoren und BVB-Fan Rene Steinberg: Ganz klar, der erste Impuls sagte mir „Samma, haben die se noch alle? Ein kleiner Junge mit seinem harmlosen letzten Wunsch und klar: Bedenken, kritteln, weigern und sich weiter noch unbeliebter machen!“ Da brauchts sofortige Solidarität, ein Klick, man macht sich zum Demonstranten und tut was! Geschieht denen recht, … dachte es mir aber dann, dann war da eine leise Stimme und die sagte mir: Moment , lehn dich mal zurück, nimm den Finger von der Tastatur und: .. denk erstmal nach – ein Vorgang, für den es überraschenderweise ja noch keine App gibt. In Sachen Kirche halte ich persönlich es ja mit Vorsicht: Warum noch auf jemanden rumtrampeln, der eh schon am Boden liegt. Natürlich wäre es ein Zeichen von Größe, wenn die sofort gesagt hätten: Komm, der Kleine hatte soviel Spass daran, was solls. Aber gerade mit Größe hat die Kirche ja Probleme - tendiert ihre Bedeutung und Mitgliederzahl heutzutage mehr und mehr in Richtung FDP. Beide nimmt keiner mehr richtig ernst, beide wollen was zu sagen haben, alle johlen, wenn sie auf die Glocke kriegen. In gewisser Weise ist der Papst ja nahezu baugleich mit Guido Westerwelle, den Bänkern oder DEN Medien: immer druff, trifft schon die richtigen. Das sind die Gegner, da ist man einer Meinung! Da sind die Fronten klar wie beim Lokalderby Schalke gegen den BVB. Und da fällt mir ein: Derzeit wird an der Schalke-Arena ein Friedhof gebaut. Für Fans, die an ihren Verein glauben. Alles in Blau und ich wette: Die Grabbepflanzungen auf keinen Fall: … als Schale. So, und wie würden die Anhänger dieses Vereins reagieren, wenn es der letzte Wunsch eines Menschen wäre, auf dem Schalke-Friedhof 'nen Grabstein mit BVB-Logo zu bekommen. Ja, da wäre man sich einig: Das ginge gar nicht. Warum? Weil das nicht zum Gelsenkirchener Glaubensbekenntnis passt. Nun hatte die katholische Kirche in Dortmund immerhin zugestimmt, dass der kleine Junge auf deren Friedhof begraben wird, obwohl die Eltern ausgetreten sind, also keine Vereinsmitglieder und das Kind auch nicht getauft war. Und diese Kirche sagte auch: Wäre vielleicht noch ein Kreuz oder eine Taube auf dem Stein und das Logo ein bisschen kleiner, dann könne man darüber reden. Wow! Mal drüber reden! Eine Haltung, die heute in dem Maße verschwindet, in dem sekundenschnell Meinung an irgendwelche Boards und Foren geklatscht wird. Deshalb ist es um so erfreulicher: Zum einen, dass tatsächlich ein Kompromiss gefunden wurde und zum anderen, dass die Aufregung das Unfassbare hinbekommen hat: Schalke- und Dortmund-Fans zu vereinen. Deren Motto lautet in Solidarität mit dem Jungen: "In Farben getrennt, in der Sache vereint". Ein Motto, das vielleicht auch mal die katholische Kirche und Protestanten überdenken könnten – oder Politiker und Wähler, Union und FDP, Bänker und Steuerzahler, – you may say i'm a dreamer, but i'm not the only one – ich mein: man kann ja mal drüber reden. 

Autor/in:

René Steinberg

Redaktion:

Bettina Nutz

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