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Gestern Abend traf sich mein ständiger Arbeitskreis „Fußball und Politik im Wechsel der Jahreszeiten“ zu einer außerordentlichen Sitzung. Einziger Tagesordnungspunkt: „Die Menschrechtslage in der Ukraine, die Haltung der Bundesrepublik und nochmal sieben Pils.“
Einhellig war die positive Meinung zur Protest-Haltung der Bundesregierung. Der Ukraine-Boykott wegen der skandalösen Behandlung oder Nicht-Behandlung der inhaftierten ehemaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko sei völlig richtig. Der Bundespräsident, die Kanzlerin und ihre Minister werden natürlich nicht zu den Fußball-Spielen in die Ukraine reisen. Das sei ja wohl auch nur konsequent. Schließlich habe die deutsche Regierung aus ganz ähnlichen Gründen auch schon die olympischen Spiele in Peking boykottiert. Solange die Menschenrechte in diesem Land nicht geachtet und geschützt werden, so die Kanzlerin im Februar 2008, werde kein deutscher Politiker chinesischen Boden betreten. Bekanntlich wurden zum selben Zeitpunkt auch die Wirtschaftsbeziehungen zu Peking auf ein absolutes Minimum heruntergefahren.
China wurde dann unter anderem auch als Gastland der Hannovermesse 2012 ausgeladen. Der Empfang des chinesischen Ministerpräsidenten Wen und der anschließende gemeinsame Messe-Rundgang mit der Bundeskanzlerin musste deswegen ausfallen. Sollten Sie anderslautende Berichte gelesen, gesehen oder gehört haben, gehen Sie bitte davon aus, dass es sich um feige Fälschungen des für seine journalistenverachtenden Methoden ja berüchtigten chinesischen Propaganda-Apparates handelte.
Positiv aufgenommen wurde im übrigen auch die Haltung des DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, der DFB verlange von seinen Nationalspielern nicht, dass sie sich dem EM-Boykott der Politiker anschlössen. Die Mannschaft sei jetzt gut in das Turnier gestartet und man könne und wolle den Spielern dieses sportliche Highlight weder vorenthalten noch vermiesen. Allerdings begrüße der DFB jede Form des symbolischen Protestes. Nationalmannschafts-Manager Oliver alkoholfreies Bierhoff hatte gestern Mittag in der regelmäßigen Pressekonferenz angekündigt, dass Bundestrainer Jogi Löw und die deutschen Spieler bei der heutigen Begegnung gegen die Niederlande in Charkow mit einheitlichen, von der Firma L’Oreal gesponserten Julia-Timoschenko-Solidaritätsfrisuren auflaufen werden.
Redaktion:
Golo Schmidt






![Montage: Abendhimmel, Christensymbol Fisch, Kreuz; Rechte: AFP,dpa,wdr[m]schweda](/fileadmin/user_upload/Teaserbilder__160x70px_/2009/teaser-kirche-160.jpg)
