s
"Es ist ein ganz großes Dilemma, in dem wir stehen"
Interview mit Jürgen Roters, Oberbürgermeister der Stadt Köln, SPD
Moderation: Judith Schulte-Loh
Seit Freitag (30.11.12) ist die Autobahnbrücke über den Rhein bei Leverkusen für Lastwagen und andere schwere Fahrzeuge gesperrt. Aber: Nach wie vor fahren Laster über die rissige Brücke, weil diese nicht rechtzeitig ausgeschildert ist. Bereits in Düsseldorf und Koblenz müssten Schilder auf Ausweich-Routen hinweisen, so Jürgen Roters. Er will nun schnell Planungssicherheit, weil die Brücke wichtig ist für den Wirtschaftsraum Köln: Wird die Brücke saniert oder muss sie neu gebaut werden? Der Bundesverkehrs-
minister müsse nun zügig handeln, so der Oberbürgermeister.
Schilder sind aufgestellt, die besagen, dass die Leverkusener Rheinbrücke von Fahrzeugen über 3,5 Tonnen nicht befahren werden darf – doch kaum haben die Fahrer das Schild gesehen, haben sie keine Möglichkeit mehr, von der Autobahn herunterzukommen. Wie kann das sein? "Das ist Aufgabe des Landesbetriebes Straßenbau, dem die Verwaltung der Autobahnen untersteht", so Roters. "Wir haben sehr darauf hingewiesen, dass man viel frühzeitiger eine Beschilderung vornehmen muss." Es reiche nicht aus, kurz vor dem Autobahnkreuz Leverkusen entsprechende Hinweise zu geben, gibt der Oberbürgermeister zu. Lkw-Fahrer - auch die, die aus dem Ausland an Köln vorbei wollen - müssten bereits in Düsseldorf oder Koblenz auf die Umwege bzw. andere Routen aufmerksam gemacht werden, die befahren werden können, ohne die Leverkusener Brücke zu nutzen. Besser wäre es gewesen, das bereits vor der Sperrung zu machen, räumt Roters ein.
Wo sollen die 20.000 Lkw und Kleintransporter hin?
Doch wo sollen die 20.000 Lkw und Kleintransporter, die bislang täglich über die Brücke fuhren, hin? "Es ist ja nicht so, als hätten wir hier nicht schon genug Probleme", sagt der Oberbürgermeister, "es gibt hier auch so regelmäßig Staus." Daher sei es schwierig, andere Umleitungen vorzunehmen – da auch andere Strecken, die A 46 oder die A 49, bereits sehr stark belegt seien. "Es ist ein ganz großes Dilemma, in dem wir stehen", sagt Roters.
Die nächste Frage sei nun, wie es zu schaffen ist, dass die Brücke wieder befahrbar wird. Am Montag (03.12.12) gab es dazu weitere Untersuchungen, was die Risse in den Trägern angeht. Der Oberbürgermeister hofft, dass schnell Ergebnisse vorliegen werden – und so auch die Frage geklärt wird, ob die Brücke womöglich langfristig gesperrt wird für Schwergewichte. "Wir brauchen jetzt Planungssicherheit." Es könne natürlich sein, so Roters, dass durch entsprechende Sanierungsmaßnahmen vorübergehend wieder eine Befahrbarkeit für Lkw hergestellt wird. "Aber das sind natürlich nur Provisorien, wir brauchen auf jeden Fall die Grundsanierung bzw. den Neubau einer Brücke - und zwar so schnell wie möglich", betont er. Denn der Wirtschaftsraum Köln und Rheinland hänge davon ab, dass die Verkehrsverhältnisse funktionieren.
Deutlicher Appell an den Bundesverkehrsminister
Die Leverkusener Rheinbrücke ist nicht die einzige Brücke, die nicht mehr voll funktionsfähig ist. Auf der Zoobrücke dürfen keine Lkw über 7,5 Tonnen fahren. In der Nähe von Dormagen auf der A 57 gibt es nach einem Brand nur eine Behelfsbrücke, die auch nicht von Schwergewichten befahren werden darf. Wie soll da überhaupt eine Renovierung finanziert werden? "Es ist ein großes Problem, wie wir mit unserer Infrastruktur umgehen", sagt Roters. Es handele sich größtenteils um Brücken, die in Zuständigkeit des Bundes liegen. Vergleichbare Probleme gebe es auch auf anderen Autobahnbrücken, es sei nicht allein ein Kölner Problem. "Über 50 Brücken sind sanierungsbedürftig. Wir müssen schauen, wo das Schwergewicht ist, und das liegt im Umfeld von Köln. Da kann auch der Bundesverkehrsminister nicht sagen, dass wir das erst in den nächsten zehn Jahren machen", appelliert Roters. Der Bund solle sich finanziell stärker am Unterhalt der Brücken beteiligen. "Das kann nicht allein von einzelnen Städten geleistet werden, die zufälligerweise Brücken haben. Andere Großstädte, die nicht an so einem schönen Fluss wie dem Rhein liegen, haben da überhaupt keine Probleme mit, und deswegen muss die Frage der Verkehrsfinanzierung ganz neu angepackt werden", führt der Kölner Oberbürgermeister aus.
Redaktion:
Gertrud Sterzl
Das Interview mit Jürgen Roters, Oberbürgermeister der Stadt Köln, zum Nachhören







![Montage: Abendhimmel, Christensymbol Fisch, Kreuz; Rechte: AFP,dpa,wdr[m]schweda](/fileadmin/user_upload/Teaserbilder__160x70px_/2009/teaser-kirche-160.jpg)
