Service Sachbuch - Am Anfang war das Korn Wie Kulturpflanzen die Menschheitsgeschichte beeinflussten

Von Johannes Kaiser

Kulturpflanzen prägten die Geschichte der Menschheit, sagt der Pflanzenökologe Hansjörg Küster. Ackerbau und Viehzucht ließen die Menschen sesshaft werden, brachten die Schrift mit sich und den Handel.


Buchcover vor hellgruenem Hintergrund
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Service Sachbuch

Jahrtausendelang zogen unsere Vorfahren als Jäger und Sammler über die Erde, folgten dem Wild, suchten Früchte und essbare Pflanzen. Grasländer bedeckten weite Teile der Erde. Doch nach dem Ende der Eiszeit vor rund 10 000 Jahren breiteten sich in den gemäßigten Zonen Wälder aus. Wild wurde rar, die Ernährung schwierig. Nur an Flüssen gab es genug zu erjagen: Fische und Vögel. Hier begann denn wohl auch die Sesshaftigkeit, entstanden die ersten festen Siedlungen. Erst wohl zufällig, dann absichtlich wurden Körner aus wilden Getreidesorten ausgesät. Tiere wurden gefangen und gezähmt. Ackerbau und Viehzucht begannen sich langsam auszubreiten. Die Menschen mussten nun ständig vor Ort bleiben und das ist für den Pflanzenökologen Hansjörg Küster „eigentlich der wesentlichste Einschnitt in der Geschichte der Menschheit.“

Ackerbau lässt Schrift gedeihen

Die Beweislage ist allerdings schwierig. Archäologen rekonstruieren aus  Pflanzenresten und Tierknochen indirekt, wann und wo die ersten Menschen sesshaft wurden. Die Landwirtschaft ist für Hansjörg Küster sogar mit verantwortlich für die Erfindung der Schrift, denn die ersten Aufzeichnungen auf Tontäfelchen stammen aus dem Zweistromland und regelten dort die Bewässerung des Ackerbaus.

Gewürzhandel und anrüchiges Fleisch

Schon frühzeitig verbreiteten sich Kulturpflanzen über Kontinente hinweg, vor allem Gewürze, denn man konnte Fleisch damals nicht lange frisch halten. Kühlschränke gab es nicht, so fing es rasch an unangenehm zu riechen, erzählt Hansjörg Küster: “Deswegen haben sie diesen Geruch von verdorbenen Fleisch mit scharfen Gewürzen zugedeckt.“
Doch auch andere Kulturpflanzen verbreiteten sich rasch. So pflanzten die Römer zum Beispiel in ihrem riesigen Imperium allerorten neue Gewürze, Obstbäume und Wein an. Spätestens seit Columbus begann ein weltweiter Austausch, gelangten Tomaten, Mais, Kartoffeln und vieles andere nach Europa. Das verbesserte die Lebenssituation der Bevölkerung enorm, Hungersnöte wurden seltener, die Bevölkerung wuchs. Hansjörg Küster ist der Ansicht, dass die Industrialisierung ohne die neuen Lebensmittel wie die Kartoffel, die vor allem die Industriearbeiter ernährte, kaum solch einen Erfolg gehabt hätte.

Moderne Supermarktvielfalt

Der Pflanzenökologe Küster ist ein nüchtern-sachlicher Berichterstatter, der aus vielen Fundstücken eine zusammenhängende Geschichte der Kulturpflanzenentwicklung nachzeichnet, ergänzt durch zahlreiche historische Abbildungen von Pflanzen, Landschaften und Anbaumethoden. Er erklärt Züchtungsmethoden ebenso wie Essensgewohnheiten, Handelspolitik und die Gefahren der Artenverarmung aufgrund der globalen Verbreitung weniger Kulturpflanzensorten. Sein Buch endet mit den extremen Effizienzsteigerungen der Landwirtschaft durch Agrartechnik, Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger. Zahlreiche Agrarprodukte haben sich erheblich verbilligt, sind dank neuer Verkehrsmittel weltweit verbreitet und bescheren uns heute überquellende Supermärkte.
Hansjörg Küsters Geschichte der Kulturpflanzen eröffnet einen neuen Blick auf die Entwicklung der Menschheit.

Redaktion:
Anne Preger

Informationen zum Buch

Am Anfang war das Korn, Eine andere Geschichte der Menschheit
Von Hans Jörg Küster
C.H.Beck Verlag, München 2013, 289 Seiten
ISBN: 978 3 406 65217 2
24,95 € 


Stand: 15.11.2013, 16.05 Uhr