Folge 9

Collage Porträt Charles Darwin / Rechte: WDR

Charles Darwin (1809 - 1882)


Evo-Solution - Aus Liebe zum Leben

Folge 9 (09.04.2009): Das geheimnisvolle Gen


Es ist das, was den Mensch im Innersten zusammenhält. Die kleinste Einheit, die unseren Körper steuert und festlegt, wie wir aussehen: das Gen. Um es zu finden und zu entziffern, brauchte es viele kluge Köpfe.


Der Vater der Genetik: Johann Gregor Mendel

Alles begann im Augustinerkloster in Brünn, in dem Johann Gregor Mendel Kreuzungsversuche mit Erbsenpflanzen durchführte. Dabei betrachtete er die Merkmale der Pflanzen und Samen, die gut zu unterscheiden waren. Er fand heraus, dass sich Eigenschaften wie Hülsenformen und Blütenfarben eben nicht mischen. Mehr noch: Die gewölbte Hülsenform setzte sich gegen die runzlige und die rote Blütenfarbe gegen die weiße durch. Dafür führte Mendel die Begriffe dominant und rezessiv ein. Mendel leitete aus seinen umfangreichen Versuchen mehrere Regeln ab. Damit konnte er erklären, wie sich bestimmte Merkmale vererben. Mendel kannte jedoch weder Chromosomen noch Gene. Trotzdem sind seine Regeln korrekt und bilden bis heute die Grundlagen der Vererbungstheorie. 1865 berichtete er das erste Mal über seine Kreuzungsexperimente, nur weniger Jahre nach Charles Darwins Hauptwerk „Die Entstehung der Arten“. Doch niemand beachtete Mendels Arbeit.


Der Herr der Fliegen: Thomas Hunt Morgan

Mendels Theorie wurde erst um die Jahrhundertwende wieder entdeckt. Was Mendel rund 40 Jahre zuvor noch fehlte, war der stoffliche Träger der Vererbung. Diese Frage wurde mit Hilfe neuer Mikroskope beantwortet. Mit ihnen schauten die Biologen in das Innere der Zellen. Dort entdeckten sie fadenartige Gebilde, die immer paarweise auftraten: die Chromosomen. Die Vermutung: Diese Chromosomen sind die stofflichen Träger der Vererbung. Thomas Morgan glaubte das zunächst nicht. Durch Experimente wollte er diese Theorie und Mendels Regeln widerlegen. Dafür forschte er lange an der Fruchtfliege. Sie war sein beliebteste Forschungsobjekt. Denn die Fliege verursachte wenige Kosten, aber dafür umso mehr Nachkommen. Morgan untersuchte vor allem die Vererbung von Merkmalen wie Augenfarbe oder Flügelform. Morgan konnte schließlich – ganz im Gegensatz zu seinem eigentlichen Plan – Mendels Lehre von der dominanten und rezessiven Vererbung bestätigen und gleichzeitig die Rolle der 23 menschlichen Chromosomen-Paare aufklären. Morgan konnte zeigen, dass die Gene auf den Chromosomen hintereinander angeordnet sind. So konnte er auch die erste Genkarte der Welt erstellen. 1933 erhielt er den Medizin-Nobelpreis.


Die Struktur-Aufklärer: James Watson und Francis Crick

Doch noch war die Struktur des Chromosoms nicht aufgeklärt. Wie genau musste man sich diesen stofflichen Träger der Vererbung vorstellen? Diese Frage konnten schließlich zwei Nachwuchs-Forscher beantworten. Nachdem die Desoxyribonukleinsäure DNA als Bestandteil der Chromosomen identifiziert worden war, klärten schließlich Francis Crick und James Watson ihre Struktur auf. Sie ist wie eine gewundene Strickleiter im Raum angeordnet. Die Sprossen dieser Leiter werden von den so genannten Basenpaaren gebildet, die über chemische Bindungen das Konstrukt zusammen halten. Die Abfolge der Basen bildet dabei den genetischen Code. Im Jahr 2000 legte das internationale Humangenom-Projekt das komplett sequenzierte Erbgut des Menschen vor, also die Abfolge der rund drei Milliarden Basen des menschlichen Erbguts.


Der moderne Provokateur: Richard Dawkins

Der amerikanische Biologe hat in letzter Konsequenz Darwins Lehre vom Kampf ums Dasein auf die modernen Erkenntnisse der Molekular-Genetik angewandt. So hat er in den 70er Jahren mit seinem Buch „Das egoistische Gen“ die These vertreten, dass die Gene es sind, die ihr Überleben in der Evolution sichern wollen. Sie stehen in direkter Konkurrenz zueinander. Dawkins hat lediglich Darwin konsequent zu Ende gedacht, doch hat er für sein Buch auch reichlich Kritik einstecken müssen. Denn der Mensch wird damit zu einem Organismus, der von seinen Genen geschaffen wurde, die damit ihr Überleben sichern wollen. Keine besonders eindrucksvolle Rolle für die ehemalige „Krone der Schöpfung“. Dawkins Idee ist in der Wissenschaft mittlerweile anerkannt, sein Buch bis heute ein Bestseller. Seine Kernbotschaft: es geht nicht um die Erhaltung der Art, sondern einzig und allein um die Erhaltung der Gene.


Literatur

  • Martin Brookes: Drosophila. Die Erfolgsgeschichte der Fruchtfliege. Hamburg 2002.
  • Richard Dawkins: Das egoistische Gen. Heidelberg 2007.





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