Folge 3

Collage Porträt Charles Darwin / Rechte: WDR

Charles Darwin (1809 - 1882)


Evo-Solution - Aus Liebe zum Leben

Folge 3 (26.02.2009): Vielfalt statt Einfalt


Die Evolution ist langsam und geht nur schrittweise voran. Diesem elementaren Grundsatz scheint ein Erdzeitalter, das Kambrium, zu widersprechen.


Explosion der Arten?

Es war eine rätselhafte Zeit, die vor etwa 540 Millionen Jahren begann. In der relativ kurzen Zeitspanne von 50 Millionen Jahren entstanden zahlreiche neue Tierarten. Eine regelrechte Explosion. Die neuen Arten waren komplexer gebaut und viele von ihnen hatten zum ersten Mal ein Skelett, Fangarme und Zähne. Die Tiere bekamen ein komplett neues Gerüst. Eine Revolution, bei der die Grundformen des Lebens entstanden, die wir bis heute kennen.


Karges Land und primitives Leben im Wasser

Zu Beginn des Kambriums sah die Erde immer noch recht karg aus. Der Riesenkontinent Gondwana bedeckte die südliche Halbkugel und reichte mit seinen Ausläufern bis über den Äquator nach Norden. Doch Leben gab es auf Gondwana noch nicht. Das fand sich ausschließlich in den großen Gewässern auf der Erde, und dort auch nur in eher primitiver Form. Wie konnten sich unter solchen Bedingungen so viele neue Arten bilden?


Günstige Bedingungen, neue Nischen und rassige Räuber

Kreationisten lieben die so genannten „Kambrische Explosion“, denn sie scheint der Evolutionstheorie mit ihrer langsamen und allmählichen Entwicklung zu widersprechen. Kaum ein Wissenschaftler geht jedoch davon aus, dass tatsächlich Gott die Hände im Spiel hatte. Bis heute gibt es zwar keine lückenlose Erklärung für die kambrische Explosion, aber doch plausible Vermutungen. So nimmt man etwa an, dass die neue Arten-Vielfalt etwas mit den veränderten chemischem Bedingungen im Meer zu tun hat. Denn zu Beginn des Kambriums hatte sich im Wasser reichlich Kalziumcarbonat angereichert. Das könnte zum Aufbau von Schalen genutzt worden sein.


Gruselkabinett des Kambriums

Die mögliche Folge einer solchen Entwicklung wäre eine tiefgreifende Veränderung in der Nahrungskette und im Aussehen der Tiere. Um zu überleben, mussten die Arten nun in der Lage sein, sich entweder selbst durch Schalen oder Ähnliches zu schützen oder diese zu durchbrechen, um an ihre Beute zu gelangen. Denn die Konkurrenz war auf einmal gepanzert! Durch die Veränderungen haben sich möglicherweise auch neue Fortbewegungssysteme entwickelt. So waren die Tiere in der Lage, weitere Strecken zurück zu legen und sich neue Lebensräume zu erschließen. Schalen, Stacheln, Borsten, Fortsätze – die Tiere des Kambriums dürften für ein Gruselkabinett bestens geeignet gewesen sein.


Fossilien als Schlüssel

Die Ausbildung dieser Hartteile hat für die Forschung einen großen Vorteil, sie bilden sehr viel leichter Fossilien als Weichteile. Aus denen bestanden die viel kleineren Lebewesen des Präkambriums. Die Folge: Heute finden Wissenschaftler sehr viele Fossilien aus dem Kambrium, jedoch kaum welche aus der Zeit davor. Deshalb hat es den Anschein, als seien die neuen Arten ganz plötzlich aufgetreten. Zu den bekanntesten Fossilien aus dem Kambrium gehören die Trilobiten, Vorläufer der Krebse, die jedoch wie viele andere Arten aus der Zeit wieder ausgestorben sind. Mittlerweile haben Wissenschaftler jedoch auch Fossilien von Weichteilen aus dem Kambrium und aus der Zeit davor gefunden. Diese Entdeckungen legen nahe, dass es doch nicht zu einer plötzlichen Beschleunigung der Entwicklung gekommen ist. Es hat wohl Vorläufer gegeben, nur sind sie heute eben schwer zu finden. Die kambrische Explosion ist also möglicherweise keine Explosion der Arten, sondern eine Explosion der Fossilien!


Literatur

  • Stephen Jay Gould: Zufall Mensch. Das Wunder des Lebens als Spiel der Natur. 1989.
  • Hou Xian-Guang: The Cambrian Fossils of Chengjiang, China. 2004.





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