Folge 12

Collage Porträt Charles Darwin / Rechte: WDR

Charles Darwin (1809 - 1882)


Evo-Solution - Aus Liebe zum Leben

Folge 12 (30.04.2009): Prima Klima


„Die schlimmsten Szenarien des Klimawandels sind so Angst erregend wie ein Science-Fiction-Film". Das hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gesagt, als er den Berichts des Weltklimarates der UN vorgestellt hat. Demnach ist der Klimawandel vom Menschen gemacht, in vollem Gange und unumkehrbar. Nur die Geschwindigkeit haben wir noch in der Hand.


Globale Erwärmung

Der Ausstoß von klimaschädlichen Gasen, vorrangig Kohlendioxid, führt über den Treibhauseffekt dazu, dass der Planet sich erwärmt. Die Schätzungen der Dimension dieser Erwärmung liegen laut Bericht der UN zwischen 1,1 und 6,4 Grad bis zum Jahr 2100. Bereits leichte Erwärmungen führen zu Hungersnöten, dem Schmelzen von Polen und Gletschern, zu Flutkatastrophen und einem großflächigen Artensterben. Die Ozeane versauern, Korallen und ihr Ökosystem verschwinden. Den Eisbären könnte nach Berichten aus dem März 2009 bereits in 20 Jahren das Eis unter den Pranken weggeschmolzen sein. Brände in Regenwäldern und das Tauen von Permafrostböden mit dem Entweichen von Methan im Gefolge würden den Klimawandel zusätzlich beschleunigen.


Globale Verdunkelung?

Scheinbar widersprüchlich zum Klimawandel stellen einige Wissenschaftler seit einigen Jahren fest, dass die Menge des Sonnenlichtes, die die Erde erreicht, abnimmt. Gerry Stanhill hat diesen Effekt Anfang der 90er Jahre in Israel dokumentiert. Er verglich Strahlungsmessungen von 1950 bis in die 1980er Jahre und kam zu einer Abnahme um 4 Prozent. Dabei entdeckte er auch, dass die Menge an Wasser, die jährliche verdunstet, weltweit abgenommen hat.


Verdunkeln Flugzeuge die Erde?

Derzeit geht man davon aus, dass winzige Schwebteilchen, so genannte Aerosole, in der Atmosphäre für diesen Effekt verantwortlich sind. Sie entstehen bei der Verbrennung von Holz, Kohle, Öl, Gas. Die Teilchen in der Atmosphäre wirken wie ein Spiegel: Sie reflektieren Sonnenlicht. Auch die Kondensstreifen der Flugzeuge tragen nach Ansicht einiger Forscher zur globalen Verdunkelung bei. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 galt für drei Tage ein Flugverbot für die gesamten USA. In dieser Zeit haben Wissenschaftler einen durchschnittlichen Temperaturunterschied von 1,1 C gemessen. Ein derartiger Temperaturunterschied war dort in den vergangenen dreißig Jahren nicht festgestellt worden.


Bremst „Global dimming“ die Erderwärmung?

Einige Wissenschaftler haben die These aufgestellt, dass die Aerosole gewissermaßen die Gegenspieler der Treibhausgase sind. Sie wirken vor allem auf die bodennahen Luftschichten abkühlend. Sie entstehen wie Treibhausgase sowohl durch natürliche Vorgänge als auch durch menschliche Aktivitäten. Ursache können Vulkanausbrüche oder Wüstenstürme sein und ähnlich wie bei den Treibhausgasen die Verbrennung von Biomasse und fossilen Brennstoffen. Dieser These zufolge hat die abkühlende Wirkung der globalen Verdunkelung bisher die Aufheizung des Planeten verlangsamt. Man spricht auch davon, dass die Aerosole maskieren den von Menschen verursachten Klimawandel bis zu einem gewissen Grad „maskieren“. Würden nun Schadstoffe in der Luft durch Partikelfilter verringert, könnte die Erwärmung der Erde ungebremster zunehmen. Forscher sprechen von bis zu 10 Grad bis zum Jahr 2100.


Das Ende des Golfstroms?

Der Golfstrom gilt als die Warmwasser-Heizung Europas und sorgt für ein mildes Klima. Flora und Fauna hängen wesentlich von dieser Meeresströmung ab. Doch Wissenschaftler warnen: In den letzten 50 Jahren habe er deutlich an Kraft verloren. Die Zirkulation habe sich „zwischen 1957 und 2004 um etwa 30 Prozent verlangsamt", berichtet Harry Bryden vom National Oceaonography Centre in Southampton. Ursache sei der Klimawandel. Er führt im Norden zu mehr Niederschlägen, lässt die Flüsse anschwellen und bringt noch dazu Grönlands Eispanzer zum Schmelzen. Das zusätzliche Süßwasser nimmt der Wasserpumpe also ihren Antrieb. Die Konsequenzen sind umstritten. Das Potsdam Institut für Klimafolgenabschätzung prophezeit, dass an einem bestimmten Punkt das System zusammenbrechen kann. Der Zustrom von warmem Wassers würde mit einem Schlag stoppen. Dies könnte die Temperatur in Europa um vier Grad Celsius senken. Einziger Lichtblick: Es würde nicht mehr so warm wie Forscher angesichts des Klimawandels vermuten.


Literatur

  • Stefan Rahmstorf und Hans-Joachim Schellnhuber, Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie, C.H.Beck Verlag, München 2007

Weitere Informationen im Internet

WDR Wissen: Schwerpunkt zum Darwin-Jahr (wdr.de)





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