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Folge 10 (16.04.2009): Die sexuelle Evolution
Es sei der Traum einer jeden Zelle, zwei Zellen zu werden, hat einmal der französische Biochemiker und Nobelpreisträger Jacques Monod gesagt. Lebewesen wollen sich fortpflanzen, aber nicht immer brauchen sie dafür zwei Geschlechter. Warum hat die Evolution dennoch dieses oft komplizierte Modell entwickelt?
Am Anfang war die Asexualität
Sex kann ganz schön anstrengend sein. Um einen geeigneten Partner zu finden, müssen Lebewesen beträchtliche Energie aufwenden, Risiken und manchmal auch Ärger in Kauf nehmen. Die ersten Lebensformen (Bakterien) haben sich deutlich effizienter fortgepflanzt durch Zellteilung. Dabei wird das Erbgut verdoppelt. Bei dieser asexuellen Reproduktion entsteht ein identischer Zwilling des Lebewesens. Da hier auf unterschiedliche Geschlechter verzichtet wird, kann die Vermehrung in hoher Geschwindigkeit ablaufen. Asexualität ist heute noch unter Pflanzen (Ableger) und manchen Tierarten verbreitet (z.B. Rennechsen).

Bessere Anpassung durch Sex
Trotzdem ist Sexualität heute die vorherrschende Form, sich zu vermehren. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Sexualität vor ca. 600 Millionen Jahren „erfunden“ wurde. Am Ende dieses Entwicklungsschritts standen zwei verschiedene Paarungstypen, die wir als Geschlechter männlich und weiblich bezeichnen. Jetzt ist die fortpflanzung nicht mehr an die vereinigung identischer Genome gekoppelt. Das genetische Material wird nicht mehr verdoppelt, sondern gemischt. Mehrere Nachkommen haben unterschiedliches Erbgut, man kann es auch eine genetische Lotterie nennen. Dabei entstehen neue Kombinationen. Dadurch kann sich die Art besser anpassen an Umweltbedingungen, Krankheitserreger u.ä.. Asexuelle Reproduktion führt zum immer gleichen Erbgut, Unterschiede entstehen nur durch Mutationen.

Keine Gleichberechtigung
Während beim Geschlechtakt Männchen und Weibchen ihren Teil beitragen, ist die Schwangerschaft unter Säugetieren Frauensache. Im Vergleich zum Vater muss die werdende Mutter einen größeren Aufwand an Zeit und Kalorien betreiben. Für den Vater kann die minimale Investition des Ejakulates genügen für seinen evolutionären Erfolg. Das kann zu unterschiedlichen Fortpflanzungs-Strategien führen. „Für Frauen erwies es sich als sinnvoll, einen Mann zu suchen, der neben guten Genen genügend Ressourcen zur Verfügung hat“, schreibt der Wissenschaftshistoriker Thomas Junker. „Die Männer suchen Frauen, die fruchtbar und bereit sind, Kinder aufzuziehen.“
Soziale Monogamie
Dass Eltern langfristig kooperieren ist im Tierreich weit verbreitet. Jede 10. Säugetier-Art lebt auf diese Weise. Dieses Paarungssystem tritt vor allem dann auf, wenn die ökologischen Bedingungen für den Nachwuchs schwierig sind und es ein Partner allein mit dem Nachwuchs überfordert sein könnte. „Kinder brauchen über viele Jahre Schutz, Nahrung und Aufmerksamkeit, was in einer natürlichen Umgebung von einem Elternteil allein nicht bewältigt werden kann“.

Untreue als evolutionäre Chance
Dass es trotzdem zu promiskuitivem Verhalten kommt, hat Vorteile für die Evolution. Seitensprünge der Männchen sind leicht zu erklären, sie versuchen ihre Gene an so viele Weibchen wie möglich weiterzugeben. Ein Weibchen befruchten und es dann verlassen kann evolutionär eine effektive Strategie sein. Für weibliche Untreue gibt es auch wissenschaftliche Gründe. Wenn Kinder von verschiedenen Vätern stammen, haben sie eine größere genetische Vielfalt. Auch können Frauen dadurch bessere Gene für ihre Nachkommen erhalten von Männchen, die nicht als soziale Partner in Frage kommen. In einigen Fällen paaren sich Weibchen mit mehreren Männchen, um die wahre Vaterschaft zu verschleiern. Dadurch wird das Risiko der Kindstötung reduziert, weil jedes Männchen als potentieller Vater in Frage kommt.
Damenwahl
Schon Charles Darwin hat in seiner Evolutionstheorie eine Selektionsart besonders hervor gehoben, der er „geschlechtliche Zuchtwahl“ bzw. sexuelle Selektion nennt. Dabei entscheiden die weibchen darüber, mit welchen Männchen sie sich verpaaren. Kriterium der Wahl ist dabei die genetische Fitness des Männchen, die sich direkt offenbart - wenn die Männchen ihre physische Leistungsfähigkeit in Konkurrenzkämpfen unter Beweis stellen - oder indirekt. In dem Fall muss das Weibchen bestimmte Signale des Männchens – Farbenspiel, Rufe, Verhalten – richtig deuten. Ein großes Problem hatte Darwin mit dem Prachtgefieder des Pfaus, das seine Bewegungsmöglichkeiten einschränkt und damit eigentlich seine Überlebenschancen mindert. Gleichwohl fliegen die Weibchen auf dieses „Luxusmerkmal“ und tatsächlich haben sie um so mehr Nachkommen, je prächtiger die Männchen sind, mit denen sie sich paaren. erklärt wird das heute damit, dass das Prachtgefieder so etwas wie ein Gesundheitsausweis des Männchens ist und damit indirekt auf seine genetische fitness hinweist.
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