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Wer ein Smartphone nutzt, der hat immer ein Gerät mit der Lizenz zum Schnüffeln bei sich. Das hat jetzt auch die Stiftung Warentest herausgefunden. Im Test waren 12 Smartphone-Apps, mit denen man bequem per "Finger-Wisch" Fahrkarten, Parfum, Bücher oder Elektronik einkaufen kann. Das funktioniert auch bei den meisten Apps ganz gut - zusätzlich zu den Einkaufsdaten sammeln und senden einige von ihnen aber auch Daten, die den Online-Shop überhaupt nichts angehen.
Leonardo informiert im "Service Computer" über die Schnüffel-Apps.
Apps im Test
Die Stiftung Warentest prüfte zwölf Einkaufs-Apps, mit denen man direkt im jeweiligen Online-Shop einkaufen kann. Es handelt sich dabei um Programme, die man eigentlich gar nicht braucht: Auch ohne die spezielle App kann man einfach auf der Website des jeweiligen Shops einkaufen. Aber: Eine Einkaufs-App macht das Einkaufen bequemer, weil man auf einem kleinen Smartphone-Display sonst dauernd auf der Website herumscrollen müsste. Bei den Tests und den Ergebnissen unterschied die Stiftung Warentest zwischen der Qualität der App und dem Umgang mit den erfassten Daten.
Ernüchterndes Ergebnis
Von den zwölf getesteten Apps stuften die Prüfer nur sechs als „unkritisch“ ein, vier waren „kritisch“ und zwei sogar „sehr kritisch“, was den Umgang mit den persönlichen Daten ihrer Nutzer angeht. Die mit „kritisch“ und „sehr kritisch“ bewerteten Apps sammeln zum Teil Daten über das Nutzerverhalten, den Standort, den verwendeten Netzbetreiber oder sogar die Gerätekennung. All diese Daten werden von der App an den Betreiber des Online-Shops gesendet und dort gespeichert – Daten, die einen Verkäufer überhaupt nichts angehen. Am schlechtesten wurden die Apps von Mango und Cineplex bewertet: Hier werde Benutzerkennung und Passwort unverschlüsselt übertragen. Surft man in einem offenen WLAN-Netzwerk, lassen sich diese Daten recht einfach von Dritten ‚abhören’.
Datensammler
Beweisen kann man den Anbietern das nicht, aber die Vermutung liegt nahe: Die gesammelten Daten werden zur Bildung von Profilen genutzt. Die Verkäufer interessieren sich brennend dafür, was den Käufer interessiert, welche Warentypen er sich gerne anschaut, wo er wohnt, was er verdient und vieles mehr. Die Gerätekennung wird dafür genutzt, einen Besucher wiederzuerkennen und seine weiteren Aktivitäten den schon gesammelten Daten zuordnen zu können. Die schlimmsten Apps geben diese Daten sogar an Dritte weiter, die diese wiederum nutzen, um noch umfangreichere Profile zu bilden und sie unter Umständen sogar mit den Daten aus anderen Quellen (Shops, soziale Netzwerke etc.) zu kombinieren. Ein Vorwurf: Die Anbieter informieren die Nutzer nicht in ausreichendem Maße darüber, was sie an Daten wozu sammeln.
Löschen!
Die einfachste Gegenmaßnahme gegen die neugierigen Shooping-Apps ist: Löschen! Eigentlich braucht kein Mensch eine Shopping-App, mit der man nur in einem einzigen Online-Shop einkaufen kann. Sie sind vor allem nützlich für die Anbieter, die sich auf diese Weise auf dem Smartphone-Bildschirm mit ihrem Firmenlogo jeden Tag in Erinnerung bringen können. Stattdessen kann man sehr bequem und sicher auf einem Desktop-Rechner oder Notebook einkaufen, indem man einen ganz normalen Internet-Browser wie Firefox, Safari oder Internet Explorer nutzt. In Zukunft sollte man dann bei jeder App vor der Installation überlegen: Brauche ich die wirklich? Und im Zweifelsfall sollte man einfach auf den Download verzichten.
Autor/in:
Gespräch mit Michael Stein; Technikjournalist
Redaktion:
Joachim Hecker





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