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Schwerpunkt: Der größte Haufen Atommüll weltweit
Ein deutsches Projekt entsorgt über 300 Atomreaktoren in der russischen Arktis
Moderation: Marlis Schaum
Ein Rundgang über den Atom-U-Boot-Friedhof [Bildergalerie]
Am 26. und 27. Juni 2002 trafen sich die G8-Staats- und Regierungschefs im kanadischen Kananaskis und begründeten eine "Globale Partnerschaft gegen die Bedrohung durch ... radiologische und nukleare Waffen". Zehn Jahre später besucht LEONARDO das größte deutsche Folge-Projekt, das vor kurzem fertig an Russland übergeben wurde: Das Bundesministerium für Wirtschaft hat mit 600 Millionen Euro deutschem Steuergeld in der russischen Arktis einen gigantischen Hightech-Friedhof für rund 400 stillgelegte Atomreaktoren errichtet - die bei weitem größte Konzentration von Atomreaktoren weltweit. Die meisten stammen aus verschrotteten Atom-U-Booten der sowjetisch-russischen Nordmeerflotte.
Der Atom-Friedhof liegt eine Stunde nördlich von Murmansk auf schwerbewachtem Sperrgebiet an der Küste zur Barentssee: Russische Schlepper liefern die stillgelegten Reaktoren auf speziellen Schwimmdocks an. Ab dem Friedhofs-Dock hat der Deutsche Detlef Mietann von der Energiewerke Nord GmbH in Lubmin, Vorpommern, mit seinen Mitarbeitern während sieben Jahre Bauzeit ein technologisches Meisterwerk errichtet: Hubtische aus Rostock übernehmen die bis zu 1.600 Tonnen schweren Reaktor-Einheiten und fahren sie auf Rädern vom Hafen bis zu einer Reparaturhalle: Dort werden sie per Sandstrahl Farbreste und Rost entfernt, Undichtigkeiten enttarnt. Sämtliche Rückstände - Farbe, Rost, Mikroorganismen usw. - sind mehr oder weniger verstrahlt und müssen über eigens entwickelte Systeme gesammelt und beseitigt werden. Dann werden die Reaktor-Einheiten geflickt, mit einer Schutzfarbe neu gestrichen und weitertransportiert in die Kernzone des Projekts: Auf einer rund 55.000 Quadratmeter großen, äußerlich unscheinbaren Betonplatte werden alle ca. 400 Reaktoren auf überdimensionalen Beton-Ständern aufgebockt. Und zwar draußen unter dem freien Himmel der rauen Arktis, weil die gigantischen Dimensionen der Reaktorsammlung jede Halle bei weitem sprengen würden.
Sämtliche Reaktoren sollen mindestens 70 Jahre auf der Betonplatte lagern - erst dann könnte deren Strahlung eventuell soweit abgeklungen sein, dass sie mit noch zu entwickelnden Methoden zerlegt werden können. Bis dahin wird Tag für Tag ein Hightech-System kontrollieren, ob die Reaktoren Mensch und Umwelt gefährden: Unter der Platte werden auch Schmelz- und Regenwasser gesammelt und auf Belastungen geprüft, Kilometer weiter auch das Trink- und Waschwasser für das Personal, die Experten sowie die bewaffneten Wachen. Wie es dann in frühestens sieben Jahrzehnten weitergehen wird, weiß noch niemand. Immerhin: 2004 musste Detlef Mietann erst einmal vor dem Hafenbecken gesunkene Atom-Transporter bergen, um mit der Arbeit überhaupt beginnen zu können. Nun hat er dort erstmals Seehunde gesichtet.
Autor/in:
Achim Nuhr
Redaktion:
Joachim Hecker






![Bild: Pfanne mit Atom; Rechte: interfoto/mauritius images/WDR[m]](/fileadmin/user_upload/Sendungen/Leonardo/2012/Kuechenexperimente/Foto/KETeaserLogo_160x70.jpg)







