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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 31.05.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Leinsamen im Säckchen; Leinöl in Karaffe; Rechte: dpa

 Gefährliches Leinöl?

Die Kleine Anfrage: Kann sich ein mit Leinöl getränkter Lappen selbst entzünden?

Moderation: Franz-Josef Hansel

b und zu kommt es vor, dass in einer Schreinerei, einer Malerwerkstatt oder gar einem Privathaushalt ein Brand ausbricht. Ursache soll ein mit Leinöl getränkter Lappen gewesen sein, der sich selbst entzündet hat. Gibt es das tatsächlich oder handelt es sich hierbei um ein hartnäckiges Gerücht?

Leinöl fürs Holz

Schreiner, aber auch Privatleute, verwenden Leinöl gerne, um ihre Holzmöbel, -böden oder -stufen damit zu behandeln. Es dringt in die Poren ein, verharzt dort und bildet somit einen Schutz gegen alles, was eindringen könnte. Das Holz wird von innen fester und weist zum Beispiel Wasser ab.

Gefährliche Lappen

Gefährlich wird es dann, wenn die mit Leinöl getränkten Politurlappen einfach zusammengeknüllt und beispielsweise in den Papierkorb geworfen werden. Es bildet sich ein Hitzestau und der Lappen kann anfangen zu brennen. Denn das Leinöl enthält mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die mit Sauerstoff reagieren.

Die chemische Erklärung

Ein wesentlicher Bestandteil von Leinöl ist Linolen, eine Fettsäure mit drei Doppelbindungen zwischen Kohlenstoffatomen. Das sind ganz besonders reaktive Stellen - insbesondere, wenn Wärme oder Licht einwirken. Dann, sagt Professor Gereon Elbers von der Fachhochschule Aachen, bilden sich Radikale, die mit dem Luftsauerstoff – einem Diradikal - in Wechselwirkung treten. Dabei entstehen verschiedene Oxidationsprodukte und es wird Wärme frei gesetzt. Diese Reaktion verläuft besonders effektiv, wenn sie auf einer relativ großen Oberfläche – also einem Lappen abläuft.

Bloß nicht zusammenknüllen!

Der getränkte Lappen darf auf keinen Fall zusammengeknüllt werden, denn infolge des Wärmestaus entstehen Brandnester, so Professor Elbers, die sich selbst entzünden können. Das kann mitunter sehr schnell gehen, abhängig von den herrschenden Bedingungen. Die benutzten Lappen sollten unbedingt auseinandergefaltet auf einem nicht brennbaren Untergrund oder an einer Leine getrocknet werden. Wenn sie ca. zwei Tage getrocknet sind, können sie auch im Müll entsorgt werden.

Eine kleine Entwarnung

Leinöl kann sich also unter bestimmten Voraussetzungen selbst entzünden. Das heißt aber nicht, dass es grundsätzlich gefährlich wäre. Wichtig ist ein sachgemäßer Umgang mit den benutzten Politurlappen. Fälle, in denen das Öl im Kanister oder eine mit Öl behandelte Tischplatte plötzlich angefangen hätten zu brennen, sind nicht bekannt. 

Autor/in:

Miriam Schack

Redaktion:

MartinGent

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