Donnerstag, 24.05.2012

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 31.01.2012, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Symbolbild Apfel contra Vitaminpillen; Rechte: Mauritius Images

 Viel hilft viel?

Service Gesundheit: Vitamine aus der Pille

Ungesund und überflüssig?

Moderation: Franz-Josef Hansel

Unsere Supermarktregale sind immer gut gefüllt. Obst und Gemüse kann man das ganze Jahr über kaufen. Trotzdem haben viele Menschen das Gefühl, dass sie mit Vitaminen unterversorgt sind. Jeder dritte Bundesbürger schluckt deshalb regelmäßig Vitaminpräparate. Diese Pillen, Kapseln und Pulver sollen die Vitalität erhöhen, die Immunabwehr stärken und vor Krebs schützen, sagen die Hersteller. Doch sind Vitaminpräparate tatsächlich gesund? Viele Wissenschaftler haben inzwischen Zweifel.
 
Vitamine als Hoffnungsträger

Mediziner hatten jahrelang die Hoffnung, dass Vitaminpräparate eine Art Allround-Schutz im Körper aufbauen könnten. Schließlich aktivieren Vitamine in Obst und Gemüse das Immunsystem. Obst und Gemüse scheint vor einigen Krebsarten zu schützen und vermindert das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Doch funktioniert das auch mit Vitaminpräparaten?

Beta-Carotin: Für Raucher gefährlich 

In den 90er Jahren sollte mit der so genannten CARET-Studie geklärt werden, ob das Provitamin Beta-Carotin, eine Vorstufe von Vitamin A, bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko senkt. Das Gegenteil war der Fall. Bei Rauchern, die die  Vitamintabletten geschluckt hatten, stieg das Lungenkrebsrisiko. Die Studie wurde daraufhin abgebrochen. Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es inzwischen bei Beta-Carotin einen gesetzlich festgelegten Höchstwert. Außerdem sind Warnhinweise für Raucher vorgeschrieben.

Multivitaminpräparate: Mehr Schaden als Nutzen?

Im Rahmen der Iowa Women’s Health Study aus den USA werden seit Jahren Ernährungs- und Lebensgewohnheiten von über 40 000 älteren Frauen beobachtet. Bei der jüngste Datenauswertung kam hier heraus: Frauen, die regelmäßig Multivitaminpräparate einnahmen, waren nicht gesünder als Frauen, die das nicht taten. Bei Studienteilnehmerinnen, die regelmäßig Multivitaminpräparate nahmen, stieg das Sterberisiko sogar. Wie die diese Ergebnisse zu bewerten sind, wird nun diskutiert. Die Hersteller von Vitamintabletten geben zu bedenken, dass die Untersuchung als reine Beobachtungsstudie zu viele statistische Ungenauigkeiten enthält. Dazu der Kommentar des Bundesverbandes der Industrie- und Handelsunternehmen  Nahrungsergänzungsmittel, BDIH: „Im Ergebnis halten wir die Studie für schlichtweg ungeeignet, einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko herzustellen.“ Pharmakritische Wissenschaftler räumen zwar ein, dass man aus einer reinen Beobachtungsstudie nur Hinweise auf mögliche Risiken ableiten kann. Ihrer Meinung nach sind die Hinweise in ihrer Tendenz aber doch sehr beunruhigend.

Vitamin E: Erhöht das Prostatakrebsrisiko?

Forschungsergebnisse zu Vitaminen liefert auch die so genannte SELECT-Studie, in deren Rahmen mehr als 35 000 ältere Männer untersucht wurden. Wissenschaftler wollten dabei herausfinden, ob Selen, Vitamin E oder eine Kombination aus beiden Stoffen das Risiko für ein Prostatakarzinom senken. Im Jahr 2008 musste die Studie abgebrochen werden. Es hatte sich herausgestellt, dass Studienteilnehmer, die Vitamin E eingenommen hatten, häufiger an Prostatakrebs erkrankten als Teilnehmer, die ein Scheinmedikament eingenommen hatten. Im Jahr 2011 wurden die Daten noch einmal überprüft. Am Ergebnis änderte das nichts. Männer, die Vitamin E eingenommen hatten, erkrankten auch später noch häufiger an einem Prostatakarzinom als die Männer der Kontrollgruppe. Auch dieses Studienergebnis wird allerdings unterschiedlich bewertet. Der Herstellerverband BDIH findet es nicht überzeugend. Seine Begründung: Die im Rahmen der Studie eingenommenen Tagesdosen seien sehr viel höher gewesen als das, was üblicherweise über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen wird. Gesundheitsexperte Andreas Waltering vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hält dagegen: In Deutschland gäbe es durchaus Vitamin E-Tabletten mit Tagesdosen, die denen der Studie entsprechen.
 
Vitamintabletten nur im Ausnahmefall schlucken

Für pharmakritische Wissenschaftler ist inzwischen klar: Vitamine, die man komprimiert in Tabletten schluckt, wirken offensichtlich anders als Vitamine in Obst und Gemüse. Die Präparate können auch gesundheitsschädliche Wirkungen haben. Der Rat der Wissenschaftler: Gesunde Menschen brauchen keine Vitamintabletten. Wer regelmäßig frisches Obst und Gemüse isst, bekommt genug von diesen Nährstoffen. Vitamine in Tablettenform zu schlucken ist nur in Ausnahmefällen auf Anraten des Arztes sinnvoll. 

Autor/in:

Sigrid Müller

Redaktion:

Monika Kunze

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