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Ohne Licht und ohne Kühlschrank
Wenn in einer modernen Gesellschaft der Strom wegbleibt
Moderation: Franz-Josef Hansel
Überschwemmungen, abgerissene Fassaden, Todesfälle - der Wirbelsturm Sandy hat die Ostküste der USA schwer getroffen. Um Schäden zu vermeiden, hatten einige Kraftwerksbetreiber zuvor den Strom abgestellt. Andernorts kappte der Sturm die Leitungen. Was bedeutet es, wenn in unserer Gesellschaft der Strom weg bleibt?
Von Jan Friese
Wenn der Strom ausfällt, geht das Licht aus, der Kühlschrank taut ab und die Heizung fällt aus. Das ist für die meisten Menschen noch relativ harmlos. Problematischer wird es, wenn Menschen in Aufzügen, Tiefgaragen, U-Bahnen und Räumen mit elektrischen Schließsystemen eingeschlossen sind. Aber es gibt noch viele weitere Folgen, die das Büro für Technikfolgen-Abschätzung (TAB) beim deutschen Bundestag untersucht hat. Hier wurden die Folgen systematisch analysiert.
Problem: Kommunikation
Bei einem Stromausfall wird die Kommunikation getroffen: Viele Festnetztelefone würden ausfallen. Angehörige zu informieren oder Rettungsdienste zu alarmieren, würde dann nicht einfach. Wenn sie an einem Kombirouter für Telefon und Internet angeschlossen wären, sind nicht nur das Telefon, sondern auch der Internetzugang nicht verfügbar.
Auf Handys oder Smartphones auszuweichen funktioniert in solchen Notsituationen auch nicht unbedingt, da alle Menschen versuchen würden, ihr Mobiltelefon zu nutzen. Viele Handynetze sind nicht darauf ausgelegt innerhalb kurzer Zeit viele Anrufe zu bewältigen und brechen zusammen. Das passiert auch immer wieder bei Konzerten und Großereignissen. Außerdem steht das Handy nur am Anfang eines Stromausfalls zur Verfügung, denn der Akku ist bei den meisten Smartphones spätestens nach ein bis zwei Tagen leer.
Auch Mobilfunkmasten brauchen je nach Provider unterschiedliche Mengen an Strom - einige Mobilfunkstationen können nur einige Stunden überbrücken. Wenn einzelne Mobilfunkstationen oder Sendemasten ausfallen, brechen gleich größere Bereiche weg - ganz besonders beim mobilen Internet, wie im ENISA-Report für europäische Netze kürzlich festgestellt wurde.
Problem: Information
Aber nicht nur die Kommunikation, auch die Beschaffung von Informationen wird bei einem längeren Stromausfall extrem schwierig. Da der Fernseher nicht mehr läuft, könnten die neusten Nachrichten nicht empfangen werden. Es gäbe zwar noch ein Programm, da viele Sender noch über Notstrom senden können, aber es würde kaum noch jemanden geben, der das Programm empfangen könnte, da die TV-Geräte am Hausstrom hängen – ebenso wie viele Radios. WDR 5 würde bei einem Stromausfall noch über Notfallsysteme senden, aber um das Programm hören zu können, würden Batterie- oder Kurbelradios benötigt.
Nachrichten könnten natürlich auch noch über das Handy, per Twitter oder Apps und Internet, gelesen werden, aber es bestünden die gleichen Probleme, wie beim Telefonieren mit dem Handy.
Problem: Wärme und Wasser
Fast überall würde bereits unmittelbar oder in den nächsten Stunden nach einem Stromausfall die Heizung ausfallen, da Gasthermen im Keller in der Regel elektrisch zünden. Glück hat da der, der einen Ofen oder Kamin hat.
Es würde auch bald an Wasser fehlen. In den oberen Etagen höherer Gebäuden würde schon frühzeitig kein Wasser mehr durch den Hahn laufen, da es an funktionstüchtigen Pumpen fehlt. Die TAB kommt zum Ergebnis, dass der Wasserdruck im Gesamtsystem nach vier bis acht Stunden nicht überall zu halten sei. Dann würde auch kein Wasser mehr aus den anderen Anschlüssen tropfen. Wenn ein Stromausfall länger als eine halbe Stunde dauert, ist es ratsam, die Badewanne oder Behälter volllaufen zu lassen, damit man eine Reserve hat. Nach rund einem Tag verliert das in den Leitungen stehende Wasser meist seine Trinkwasserqualität, da sich Keime bilden können.
Problem: Lebensmittel
Auch das Einkaufen würde ab dem ersten Tag schwierig. Da die Supermärkte auf Strom und Automatik ausgelegt sind, kann nicht mit Karte bezahlt werden, an der Kasse können die Preise nicht gescannt werden und am Automaten kann kein Bargeld abgehoben werden.
Problem: Notstrom hält nicht lange
Das Technische Hilfswerk, die Polizei und die Feuerwehr, können nach einem Stromausfall zwar Generatoren, abgepacktes Wasser, Wärmedecken und haltbare Lebensmittel liefern, aber sie würden zunächst mit anderen Dingen beschäftigt sein. Viele Rettungskräfte müssten sich zuerst um Eingeschlossene und Unfallopfer kümmern. Ein plötzlicher Stromausfall würde wahrscheinlich durch ausgefallene Ampelanlagen, Verkehrsleitsysteme und die Straßenbeleuchtung zu vielen Unfällen führen. Zum Teil müssten die Rettungskräfte zuerst die Straßen frei räumen, bevor sie logistische Hilfe leisten und Wasser, Decken etc. bringen könnten. Ein Problem würde auch der Nachschub von Treibstoff sein, da es an den Tankstellen keinen Strom für die Pumpen und zum Bezahlen gäbe.
Ein Stromausfall würde auch die Kommunikation der Rettungskräfte erschweren. Es gibt zwar verschiedene Backup Systeme, aber die TAB kommt zu dem Ergebnis, dass zum Beispiel der Wechsel zum Digitalfunk, für Polizei, Katastrophenschutz Feuerwehr und THW, zumindest im Bereich Stromunabhängigkeit, eine Verschlechterung darstellt. Die Basisstationen dieses Systems mit dem Namen Tetra haben nur zwei Stunden Batteriekapazität.
Ein Stromausfall in einem kleineren Gebiet oder für einen kurzen Zeitraum, zum Beispiel in einem Stadtteil oder in einer Kleinstadt, ist keine Katastrophe und gut zu bewältigen. Schwieriger wird es wenn der Stromausfall ein großes Gebiet betrifft und mehrere Tage anhält, denn bricht auch die Notstrom-Versorgung zusammen.
Autor/in:
Gespräch mit Jan Friese; WDR-Wissenschaftsredakteur
Redaktion:
Monika Kunze



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