Donnerstag, 24.05.2012

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Die Zeichnung "Der Mensch" von Leonardo da Vinci auf einem gelben Farbklima (Rechte: WDR)
Sendung vom 30.10.2009, 16:05 bis 17:00 Uhr
Bild: Buchcover; Rechte: Suhrkamp Verlag, Frankfurt

 Service Sachbuch

Service Sachbuch: Dein Tod, mein Leben

Warum wir Organspenden richtig finden und trotzdem davor zurückschrecken Von Vera Kalitzkus

Moderation: Martin Winkelheide

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009

ISBN 978-3-518-46114-3

EUR 8,50

Viele finden es richtig und gut, aber nur wenige tun es - einen Organspendeausweis unterschreiben. Was Menschen davon abhält, obwohl sie es richtig und wichtig finden, versucht Vera Kalitzkus aufzuzeigen. Die Ethnologin argumentiert vorzugsweise mit kulturellen und geisteswissenschaftlichen Überlegungen. Sie geht davon aus, dass zu vieles nicht öffentlich diskutiert und erklärt wird. Weit verbreitet sei zum Beispiel die Angst, dass die Diagnose Hirntod zu unsicher sein könnte.

Für den Laien ist es tatsächlich schwer oder gar nicht zu erkennen, ob ein Mensch auf der Intensivstation in einem Koma liegt, aus dem er wieder erwachen könnte, oder ob er bereits medizinisch als tot gilt, weil seine Körperfunktionen, sein Herz, die Atmung ohne maschinelle Unterstützung sofort versagen würden. Dann erst würde er sichtbar sterben. Vera Kalitzkus sieht dieses sichtbare Sterben oder den offensichtlichen Tod eines Menschen als eine wichtige Erfahrung für die Angehörigen. Diese, so meint sie, müssten erst einmal davon überzeugt werden, dass sie auf die Erfahrung des offensichtlichen Todes verzichten müssten, wenn ihr Angehöriger zum Organspender wird.

Das Buch spricht Dinge an, die in der öffentlichen Diskussion zu diesem Thema aus der Sicht der Autorin zu wenig beachtet würden, weil in dieser Diskussion allzu häufig von der Warte derjenigen Menschen aus argumentiert wird, die auf eine Organtransplantation warten. Vera Kalitzkus weist aber darauf hin, dass letztlich niemand ein Recht auf ein Organ habe. Schließlich seien nicht die spendemüden Mitmenschen Schuld am Tod eines schwer Kranken, sondern seine Erkrankung.

Das Buch „Dein Tod, mein Leben“ von Vera Kalitzkus könnte leicht missverstanden werden als Einrede gegen Organspenden. Tatsächlich will es aber, unter Berücksichtigung möglichst vieler Argumente, dabei helfen, eine aufgeklärte Entscheidung für oder gegen die Organspende zu treffen, die auch die persönlichen und kulturellen Erfahrungen der Betroffenen einbezieht.

Autor/in:

Ingeborg Sahm

Redaktion:

Klaus-Dieter Oetzel

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